MLP – Karl Huber

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Cowboy Paula

Eine Les Paul mit Bigsby ist selten zu bekommen und zudem teuer, eine Alternative dazu ist der Bausatz. Tip – zum Designen gibt es gute kostenfreie Tools:

  • Speziell für Paulas:

http://www.frankmontag.com/sc_guitar.htm

Zum Bausatz

Das ist kein Bausatz, sondern eine fast fertige Gitarre. Der Hals ist schon eingeleimt, die Löcher für Mechaniken, Brücke und Saitenhalter sind gebohrt, die Kopfplatte ist fertig geschnitten. Das alles finde ich weniger gut, ich möchte z.B. lieber Tuner mit 8.5 mm Achsdurchmesser, für das Bigsby brauche ich keine Stoptail-Bohrungen, den Halswinkel würde ich auch gerne ändern können, dass passt nicht immer.

Der Korpus besteht aus drei Streifen Mahagoni, der Hals ist ebenfalls aus Mahagoni und dreiteilig (Halsfuß, Hals und angeschäftete Kopfplatte). Die Ahorndecke ist ausreichend dick und weitaus stärker gewölbt als bei einer echten Paula. Obendrauf klebt ein dünnes, aber schmuckes „bookmatched“ Furnier. Das alles ist Standard bei einfachen Nachbauten. Was auffällt: Korpus und Decke zusammen sind am Rand nur 3,8 cm dick, das ist ein gutes Stück schlanker als beim Original (4,5cm). Mir ist’s Recht, das Teil wird schwer genug. Für Originalfetischisten, die z.B. Kopfplatten auf „open Book“ trimmen, Knöpfe umsetzten oder sonstige aufwendigen Umbauten tätigen, um einer echten Paula möglichst nahe zu kommen, ist dieser Bausatz eine denkbar schlechte Ausgangsbasis.

Der Hals ist gerade, mit eher flachem Profil. Die Bunddrähte sind mir persönlich zu fett, die Messingbünde(?)wirken billig. Aber sie sind gut abgerichtet.

Meine Variante

Meine Frau malt gut und gern, wir wollten ihre Künste schon immer an einer Gitarre ausprobieren. Inspiration lieferte ein Buch von Tom Wheeler: “The Dream Factory – Fender Custom Shop”. Ich wollte Texas-Country-Western Kitsch a la ZZ-Top-Gretsch. Meine Frau hat auf Papier diverse 1:1 Skizzen angefertigt, die Kombi Rosenranken-Hundeschädel gefiel uns unter den zahlreichen Varianten am besten.

Jetzt ging’s an die Arbeit. Zuerst hab ich das Bigsby montiert, die Mechaniken eingebaut, dann die Brücke aufgesetzt, Saiten aufgezogen und alles ohne Elektronik ausprobiert – noch kann man was ändern. So haben z.B. die Bohrungen für die Brücke nicht gepasst, man konnte die Brücke nur mit Gewalt aufsetzen. Ich hab sie zugedübelt und neu gebohrt.

Danach wurde die Gitarre wieder zerlegt und der Korpus geschliffen. Auf der Decke nur trocken und vorsichtig, dünnes Furnier löst sich schnell ab, oder man schleift durch. Porenfüller habe ich nicht verwendet, ich empfinde offenporiges Holz griffiger und lebendiger.

Gemalt wurde mit Acryllack aus dem Bastelgeschäft, Stichwort „Bauernmalerei“. Der ist wasserlöslich, stinkt nicht, ist gut zu mischen und leicht mit dem Pinsel zu verarbeiten. Damit die Farbe nicht auf dem Ahornfurnier verläuft oder gar das Furnier ablöst, wurde zuerst grundiert. Dazu verwende ich verdünnten Nitro-Schnellschleifgrund, diesen trage ich in einem Durchgang mit Rolle auf. Der Lack zieht in die Poren ein und ist sofort trocken. Man erhält schon nach dem ersten Durchgang eine schöne seidenmatte Oberfläche, die man nicht mehr schleifen muss. Die Rückseite habe ich so belassen, siehe Fotos.

Auf dieser Oberfläche konnte sich meine Künstlerin gut austoben, d.h. mit Bleistift skizzieren, radieren, pinseln, etwas abwischen usw. Nachdem sie fertig war, wurde die Decke mit getöntem Nitrolack („Bernstein“) aus der Dose lackiert und nach zwei Wochen Aushärtung poliert. Das Resultat gefällt, der Lack hat die Acrylfarben schön abgetönt, der weiße Schädel ist jetzt knochengelb, die Rosen und die Blätter wirken plastisch. Danach sehr vorsichtig den Lack mit einer Klinge vom Binding abziehen, Hardware wieder montieren, löten, fertig.

Hardware und Kosten

Das „licensed“ B7 Bigsby ist eine günstigere Variante, mit 150€ jedoch immer noch relativ teuer. Die beiden P90 Tonabnehmer im Humbucker Format aus dem ML-Shop sind mit je 29€ eher günstig, klingen trotzdem gut und sind sauber verarbeitet. Beide PUS haben gleiche Impedanzen, d.h. es gibt keinen Unterschied zwischen Bridge und Neck, oder mir wurden einfach zwei gleiche geliefert. Stört mich nicht, man kann das mit dem Abstand zu den Saiten gut ausgleichen. Die Rollerbridge von Wilkinson für 29€ ist stabil und gut verarbeitet, aber etwas fummelig einzustellen. Potis und Schalter sind Standardware von CTS. Die Vintage Mechaniken sind von Kluson und kosten ca. 30€. Der Sattel ist ein Knochensattel aus dem Shop. Alles in allem kostet die Gitarre so um die 500€ – ohne Arbeitszeit!

Sound

P90er sind Single Coils, sie klingen „offener“ und zugleich „kratziger“ als Humbucker, außerdem produzieren sie je nach elektrischem Umfeld eine Menge Nebengeräusche. Dazu kommt das Bigsby, das den Sound ebenfalls ändert. Üblicherweise hat eine Paula ein Stoptail, Humbucker und einen dickeren Korpus. Also hat meine Gitarre beste Voraussetzungen, anders als eine „normale“ Paula zu klingen.

Ich mag P90er, ich finde sie perfekt für leicht bis mittel gezerrte Sounds. „Volle Kanne“ mögen sie nicht, der Sound wird schrill, hupend, pfeifend. Meine Paula klingt wie erwartet: Schöne Clean-Sounds, klarer und definierter als bei einer „normalen“ Paula, eben typisch Single Coil, jedoch fetter als z.B. bei einer Tele oder Strat. Im Crunch kommt sie schön breit, das gefällt mir am besten. Lead geht natürlich auch, Vol und Gain am Amp zurück, dazu ein Overdrive, passt. Mein Favorit dafür ist der Bridge PU, am Hals klingt sie mir fast zu fett. Aber auch dafür gibt es Liebhaber – Eric Claptons „Woman Sound“ mit P90? Stimmung hält die Gitarre überraschend gut, das ist nicht immer so mit Bigsbys.

Fazit

Für mich wurde es eine schöne Gitarre, die zudem recht gut klingt. Mit 500€ (ohne Arbeitszeit gerechnet) vielleicht eine etwas teure Braut, aber dafür 100% originell (im Sinne von einmalig). Ob einem das Design gefällt, ist Geschmackssache, ich finde es passend. Das Beste: Selbst meine Frau mag meine neue Freundin.

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