ML Ice – Kay Glogowski

ML Ice – Kay Glogowski

Nun ist es soweit. Mein erstes Gitarrenbauprojekt ist abgeschlossen und ich bin nach etlichen Stunden arbeiten echt zufrieden mit dem Ergebnis. Anlass war das KISS Abschiedskonzert in München. Das Strahlen Paul Stanleys Iceman mit dem Cracked Mirror Finish hat nicht nur für großes Staunen sondern auch für ein sofortiges „Haben wollen“ Gefühl gesorgt. Also musste Abhilfe geschaffen werden.

Basis hierfür war der „ICE“ Bausatz (Artan.: 2012-BS-0003). Dieser war bereits nach kurzer Versandzeit da und es begann das Gegrübel über die Umsetzung, denn das Ziel war von vorneherein klar. Aber seht selbst.

Der Bau:
Zunächst wurden in das E-Fach und das Fach für den Toggleswitch jeweils passende 4mm Mahagoni Platten eingeleimt.

Gleich als nächstes folgte die eigentlich mit am aufwändigste Arbeit. Ich wollte ein mehrlagiges Binding mit Einlage, wollte aber gleichzeitig das bereits vorhandene Binding erhalten. Mit einem selbstgebauten Werkzeug, nach Vorbild der Purfling Cutter der Geigenbauer, habe ich begonnen das Holz hinter dem Binding herauszuarbeiten. Gerade breit genug um anschließend 1.5mm mit der Oberfräse abzutragen ohne das Binding zu beschädigen.

Somit konnte nun hinter das original Binding zunächst ein schwarz/weißes Binding geklebt werden, danach eine Einlage aus Abalone welche abschließend nochmal mit einem weiß/schwarz/weißen Binding eingefasst wurde. Der Aufbau von außen nach innen ist sicher unüblich, aber es hat für mich super funktioniert und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

Anschließend wurde der restliche Korpus, bis auf einen „Rahmen“ um die Humbucker Ausfräsungen um insgesamt 4mm abgefräst (deswegen die eingeleimten 4mm Platten).

Der Korpus wurde rückseitig im Bereich des Übergangs zum Hals abgerundet um die höheren Bünde besser erreichen zu können. Somit passt zwar die Platte zur halsbefestigung nicht mehr, sollte sie aber auch nicht. Zur Befestigung habe ich auf der Drehmaschine Halspitten aus hochfestem Aluminium angefertigt, passend für den Linsenkopf für eine M5 Schraube. In den Hals wurden entsprechend Gewindemuffen (Rampamuffen) eingesetzt. Die Verbindung ist äußerst stabil und so kann gerade in der Bauphase der Hals montiert/demontiert werden ohne das etwas ausleiert. So konnte auch mit Hilfe von shims der Halswinkel etwas korrigiert werden.

Die Halsplatte bekam eine Form im Ibanez Stil.

Nach dem spachteln, schleifen, spachteln, schleifen, füllern, schleifen… gab’s dann 2 Schichten RAL 9005 (tiefschwarz) und anschließend mehrere satte Schichten 2k Klarlack.

Dann kam die wohl aufwändigste Arbeit. Um den Effekt eines zerbrochenen Spiegels zu erzeugen, wurden über 100 Einzelteile aus einer verspiegelten 3mm Starken Acrylglasplatte ausgesägt und mit Montagekleber aufgebracht. Um die Differenz zum Korpus auszugleichen wurden bei den Einschlaghülsen für Tailpiece und Bridge Distanzhülsen aus Messing eingesetzt.

Der Hals bekam ebenfalls aus dem Haus Ibanez einen Sattel aus halb Knochen, halb Messing. Diesen hab ich mit dem Sattelfeilen Set für ~50€ aus dem ML Factory Shop gekerbt, was gut funktioniert hat!

Ausstattung:

  • Bausatz „ICE“
  • Korpus: Mahagoni
  • Binding: Mehrlagiges Binding mit Abalone Einlage
  • Hals: Mahagoni
  • Mechaniken: Gotoh SG381-01 Chrome
  • Bridge: Ibanez Gibraltar Performer Chrome
  • Tailpiece: Ibanez Quick Change III Chrome
  • Sattel: Ibanez Half and Half (halb Knochen halb Messing)
  • Pickups: Kramer Alnico V Humbucker
  • Pickuprahmen: Framus Humbuckerrahmen Chrome
  • Potis: 2x 500k Volume
  • Potiknöpfe: Speedknobs mit Abalone Einlage
  • Toggle: 3-Wege Schalter
  • Saiten: Ernie Ball .010-.046
  • Gurt: Right On Straps LEGEND THUNDERSTRUCK BLACK mit Dunlop Straplock

Im übrigen gab es zu guter letzt leider keinen passenden Koffer. Also das nächste kleine Projekt. Basis war das Thomann ABS Case. Mithilfe einer Schaumplatte, Schaumstoff und schwarzen Stoff wurde er passend gemacht und so liegt die Iceman formschlüssig und sicher.

Mit dem Ergebnis bin ich nach all der vielen Arbeit super zufrieden und auch über den Shop, die Qualität des Bausatzes und den Kontakt mit Herrn List kann ich nur gutes berichten.

Viele Grüße
Kay

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Bewertung 4.8 Sterne aus 76 Meinungen

12 Comments

  1. Hallo Kay,
    Kompliment- eine wirklich werktreue Umsetzung des Originals.
    Als ich den Kiss-Film „…Meet The Phantom In The Park“ irgendwann Ende der Siebziger sah, begann bei mir die Infektion für diese Gitarre.
    Aber ich bin bisher vor dem Nachbau zurückgeschreckt- da gehört extrem viel Geduld dazu.
    Deshalb meinen besonderen Respekt an Dich, auch für das „Abalone“-Binding.
    Wie gehst Du mit der Anfälligkeit für Kratzer bei Spiegel-Acryl um- hast Du da einen besonderen Tipp?
    Bei einer Gitarre, die nicht nur Deko sein soll, sondern auch gespielt wird, kann das schnell problematisch werden.
    Gruß, Uwe

    • Hallo Uwe,
      danke für das Kompliment. Ich weiß es zu schätzen. Natürlich soll die Iceman auch aktiv genutzt werden und nicht als Deko einstauben. Das Acryl wird als „kratzfest“ beworben, was sicher materialbedingt seine Grenzen hat. Bisher sieht es gut aus und lässt sich mit einem weichen Tuch ohne Probleme reinigen. Ich habe bewusst auf ein Schlagbrett verzichtet, da mir das,wie auch bei einer Les Paul,optisch nicht gefällt. Ob es in dem Bereich dann zu Kratzern kommt wird die Zeit zeigen müssen.
      Der KISS Film ist übrigens ein echter Geheimtipp, es sei denn man legt Wert auf hochwertiges Schauspiel und atemberaubende Specialeffects(1978!!) Muss man aber mal gesehen haben um mitreden zu können.

  2. Wow!!! Das zeigt einmal wieder was mit etwas handwerklichem Geschick und viel Hingabe erreicht werden kann. Super gelungenes Projekt!!!

  3. Wunderschönes Projekt. Das ist Gitarrenbau auf hohen Niveau. Da kann der Kay als Masterbuild Kandidat durchgehen. Mal sehen was als nächstes kommt. Mach weiter so.

  4. Bin beeindruckt und Wahnsinn was da für Zeit und Mühe investiert wurde. Ich wünsche viel Erfolg für die Zukunft bei diesem tollen Projekt

    • Ja, es ist ein schickes Teil, aber es ist eben kein Unikat, sondern eine Kopie.
      Das ist aber wirklich nicht böse gemeint- ich liebe diese Gitarre.

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