M-Bird – Karl Huber

Mockingbird

Die Mockingbird von B.C. Rich erschien Mitte der 70er, sie zählt für mich zu den schönsten Gitarrenformen. So eine wollte ich schon immer, also hab ich den Gutschein für den 2. Platz vom letztjährigen Wettbewerb für diesen Bausatz genommen. Dazu konnte ich ein Floyd Rose FRX ersteigern. Normalerweise ist es als Replacement für Stoptails gedacht, z.B. für Les Paul oder SG. Zur Paula passt das FR meiner Meinung nach nicht, die Paula ist zu „altmodisch“ für diese moderne Hardware. Auf der Mockingbird schaut das FR jedoch klasse aus.

Zum Bausatz

Es handelt sich um einen einfachen Bausatz, der wie Strat oder Teles grundsätzlich keine besonderen handwerklichen Fertigkeiten erfordert. Die Bestandteile: Schraubhals aus Ahorn mit kurzer Gibson Mensur und aufgeklebtem Ahorn-Griffbrett, massiver Korpus aus Linde. Dazu 2 Humbucker, eine 2-teilige Stoptail Brücke, 4 Potis, dazu ein 3-Weg PU Schalter, die Buchse ist in der Zarge, das E-Fach ist rückseitig zugänglich, es gibt kein Pickguard. Ich habe den Bausatz ohne Hardware bestellt und habe folgende Änderungen gemacht:

  • Hals-Korpus-Übergang und der Halsfuß wurden gerundet, anstelle der typischen Chrom-Platte nahm ich Halspitten. Man braucht dafür einen 1.5cm Bohrer und einen Bohrständer. Die alten Löcher habe ich sowohl am Hals als auch im Korpus zugedübelt.
  • Die Poti-Löcher waren zu nah am FR. Außerdem wollte ich nur zwei Potis, die überflüssigen Löcher hab ich ebenfalls zugedübelt, die verbliebenen Löcher haben zum Glück gepasst. Mir kam zum x-ten Mal die Frage auf, warum bei den Bausätzen die Löcher vorgebohrt sind. Löcher für Potis kann jeder bohren, wer‘s nicht kann, kann auch keine Gitarre aus einem Bausatz zusammenpfriemeln.
  • Das gilt nicht für Bridge- und Stoptail-Bohrungen, erstens braucht man dazu Inch-Bohrer, und zweitens müssen sich die Löcher 100% an den richtigen Positionen befinden. Das waren sie aber nicht, die Saiten wären schief über den Hals gelaufen. Also Löcher zu und neu gebohrt. Ich nehme dazu den nächstkleinen metrischen Bohrer und vergrößere das Loch vorsichtig mit Schleifpapier, das ich um einen Holzstab wickle. Bitte nicht mit dem Bohrer im Loch rumrühren, das funktioniert nicht, die Löcher müssen so rund wie möglich sein, sonst halten die Einschlaghülsen nicht!
  • Die Kopfplatte ist ein eigener Entwurf, die originale Mockingbird-Form war mir zu „barock“. Meiner Erfahrung nach sind asymetrische Kopfplatten einfacher hinzukriegen, symetrische erfordern sehr genaues sägen bzw. schleifen. Wenigstens haben die Bohrungen für die Mechaniken gepasst.

Die Gitarre musste deckend lackiert werden, der Korpus hatte Astlöcher und ausgebesserte Stellen. Mir egal, ich mag Farben. Gelb fehlte in meiner Sammlung, ist bei Gitarren anscheinend nicht angesagt. Nach üblicher Schleiferei habe ich mit Nitro-Schnellschleifgrund (Pinsel) grundiert, danach wieder geschliffen und mit Nitro lackiert (Zinkgelb, 2 Dosen a 400ml von Duplicolor). Nach ein paar Tagen wurde der Korpus mittels Polierpaste auf Glanz getrimmt. Schleifpapier mag ich dafür nicht so gerne, ich schleife damit gerne den Lack durch. Der Hals wurde nur mit Schnellschleifgrund klar lackiert und danach poliert, die Kopfplatte ist dazu auf der Vorderseite schwarz lackiert. Unschön finde ich die schwarzen Hals-Inlays, sie sind nicht besonders sauber eingesetzt. Nach einigem rumpolieren ging es, einfache Dot Inlays wären mir trotzdem lieber gewesen.

Elektronik

Als PU wollte ich etwas „hochtouriges“. Zuerst habe ich es mit einem Set Wilkinsons versucht. Sah gut aus, leider war der Bridge PU kaputt, natürlich nach Reklamationsfrist. Also habe den Bridge-PU mit einem No-Name PU aus der Schublade ersetzt. Optisch hat mir Chrome-Weiß Kombi gut gefallen. Leider klang der Bridge-PU eher „vintage“und hat nicht besonders mit dem „crispen“ Sound des keramischen Wilkinson am Hals harmoniert. Zum Glück konnte ich bei Ebay für relativ wenig Geld einen roten Invader und einen weissen Jeff Beck (beide Seymour Duncan) ersteigern. Der Invader hat drei Keramikmagnete mit vielen Wicklungen, er ist garantiert der lauteste passive PU, den es gibt! Der JB wird normalerweise an der Brücke montiert, ich hab ihn an die Halsposition gesetzt, deshalb steht auch der Schriftzug Kopf. Diese Kombi passt, der Invader brüllt, Jeff ist am Hals auch nicht ohne, klingt dort fast wie der Bridge PU an anderen Gitarren, also sehr aufgeräumt und kein bisschen basslastig.

Ihr könnt anhand der Fotos selbst entscheiden, welche Variante optisch am besten gefällt. Aktuell ist die Gitarre mit der rot-weißen Kombi bestückt, und dabei bleibt es.

Die Gitarre hat jetzt zwei Vol-Potis und einen Toggle Switch, Ton-Regler brauche ich an so einer Gitarre nicht. Die Potis sind Push-Pull und splitten die PUs. Der vordere Regler bedient den Bridge PU, der hintere den Hals. Ist für mich naheliegend, weil ich mehr mit Bridge PU unterwegs bin.

Bespielbarkeit

Der Hals ist gerade, die Saitenlage kann niedrig eingestellt werden. Das Halsprofil ist moderat, nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu rund, passt! Die Gitarre ist trotz FR recht leicht (3.7kg) und hängt ausgewogen am Gurt. Anstelle einer Locking Nut habe ich Locking Tuner und einen Graphit-Sattel verwendet. Funktioniert bestens, die Gitarre hält die Stimmung. Das FR läuft weich, man kann damit schön tremolieren. Ich habe es möglichst nah auf den Korpus montiert, nach oben geht deshalb nur ein halber Ton, nach unten deutlich mehr.

Sound

Den PUs entsprechend, mehr gibt’s nicht zu sagen. Ich hab ein kleines Instrumental aufgenommen (Orion von Metallica), links meine Explorer vom letzten Jahr, rechts die neue. Solo 1 (2:59) und Solo 4 (7:03,) die neue, Solo 2 (6:18) die Explorer, Solo 3 (6:37) spielt der Bass. Rhythmus und Solos auf Bridge, die Läufe im ruhigen Teil auf Neck.

https://www.dropbox.com/s/fivtysax9rif2pl/181%20-%20Orion.mp3?dl=0

Fazit

Schon wegen der Farbe die perfekte Hairrock-Geige, und der Sound passt auch. Leider habe ich kurze Haare und trage enge Hosen und bunte Klamotten ausschließlich auf dem Rennrad.

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Bewertung 4.5 Sterne aus 13 Meinungen

8 Antworten auf M-Bird – Karl Huber

  • Hi Karl!
    Dickes Lob – das Teil sieht toll aus, scheint super gearbeitet und die PU-Kombi würde ich gerne mal live hören.

    Also, die Farbwahl (auch mit den jetzigen PUs) finde ich sehr schön. Das ist, genau wie das Tremolo und die Kopfform, mal was anderes und diesen Mut zur Kreativität, ohne dabei albern zu werden, hat meinen absoluten Respekt verdient.

    Kurz: Geiles Stück!

    Harry

    • Danke Harry. Diese PU Kombi kann man leider selten bis garnicht hören. Invaders werden kaum in Serie verbaut, ich kenne nur eine Schecter (Synyster Gates Signature). Und der JB ist ja eigentlich, wie im Bericht geschrieben, ein Bridge PU. Den Invader muss man auch mögen, er klingt schon etwas harsch und kratzig, Für Metal etc. finde ich ihn gut, gute Alternative zu den weit verbreiteten EMGs.

      Wegen Farbkombi – Von Ibanez gibt es aktuell JEMs im knallbunten 80er Style, sogar eine in gelb mit roten PUs. Wir sind anscheinend nicht die einzigen, denen das gefällt 🙂

  • Hallo Karl,
    also, für mich sieht Dein Schmuckstück aus wie die Gitarre-gewordene Marilyn Monroe.
    Sogar der Lippenstift passt, dazu edelste Juwelen… und ein „Hals-Pircing“, das mich irgendwie an Playmobil erinnert.

  • An die unbestechbare Jury:
    Das ist die charakteristische Handschrift von Karl- so,wie wir ihn seit Jahren kennen und schätzen.
    Bei so viel Liebe zum Detail kann ich (…) nur ins Schwärmen kommen.
    Ganz klar fünf Sterne, und wegen der passenden Garderobe: Diese Gitarre geht auch auf (fast) nackt, wegen des besseren Kontrastes würde ich aber einen dunklen Kajal bevorzugen.

  • Hallo Karl,
    Alter Zitronenfalter! Ist wirklich gut geworden! Die Seymour Duncans sind tatsächlich die perfekte Wahl. Habe mir in der Bucht auch gerade für mein neuestes Projekt einen Satz Seymour Duncans geschossen. Ein guter Bericht. gute Bilder und wie immer gut gebastelt.Vorschlag der Anzugsordnung: Schwarze Lederhose und schwarzes Shirt/Rueschchenhemd. 5 Sterne.

    Viele Grüße
    Micha

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