Junior DC Style – Karl-Heinz Simon

Junior DC Style – Karl-Heinz Simon

Moin Moin aus dem Norden,

ich spiele, oder zumindest versuche ich es J,  seit erst ca. einem Jahr Gitarre. Da mich aber auch die Technik sehr interessiert kam ich auf die Idee mir eine schöne Gitarre nach meinen Vorstellungen selber zu bauen. Nach intensiver Recherche sämtlicher Details einer Gitarre ging‘s los. Meine Entscheidung fiel auf einen eher „minimalistischen Style“. Nun möchte ich euch an den Erfahrungen meiner ersten selbstgebauten Gitarre teilhaben lassen. Wahrscheinlich könnte man sie als eine „Junior double cut“ bezeichnen.

Zu den technischen Details:

  • Mensur 628mm
  • Eschekorpus massiv einteilig aus dem Vollen gefräst
  • geschraubter Mahagonihals mit Palisandergriffbrett von ML- Factory
  • Seymor Duncan Humbucker „SH-3 Stag mag“ , angeblich soll dieser gerade im Splitbetrieb einen SingleCoil sehr nahe kommen
  • Ton-o-matic Bridge
  • Aluminium Stop Tailpiece
  •  Schaltung: Reihe – Single – Parallel mit “3 Wege Mini Switch on-on-on”
  • Gibson Mechaniken
  •  Saiten 010– 052 Ernie Ball
  • Nitrolack

Als Maschinenbau Konstrukteur bin ich in der Lage mir im Vorwege die Gitte als 3D Modell zu entwerfen.

Schwierig empfand ich dabei die Position der Bridge und des Winkels der Bridge  für die Intonation festzulegen. Ebenso den Winkel und Tiefe der Halstasche, damit ich später im Zusammenspiel mit der Bridge die Saitenlage vernünftig einstellen kann. Habe noch eine Epiphone in Les Paul Style und konnte hier paar Maße abmessen.

Mein Schwager hat als selbstständiger Modellbauer eine CNC -Holzfräse in seiner Firma sodass ich in der glücklichen Lage war mir den Korpus als 1:1 Modell aus dem CAD Modell und dem Esche-Rohling fräsen zu lassen. Das Esche Holz ließ sich aufgrund seiner Härte 1a zerspanen. Ist Spitzenmäßig geworden, genauer geht nicht.

Hals: Bünde abrichten von Hand durch auflegen eines Stahlwinkels über drei Bünde und nachschleifen bis nix mehr kippelt.
War sehr aufwendig und mühselig ohne Bundfeilen.

Erstes einpassen des Halses. Der passte saugend in die Halstasche. Passte man gerade noch ne Lackschicht zwischen.
Bohrungen für Erdungskabel Tailpiece, Humbucker zum E- Fach und der 6,5mm Anschlussbuchse habe ich mit der Handbohrmaschine gemacht.

Das vorbereiten und Lackieren der Teile war zwar aufwendig aber ging mir gut von der Hand. Habe vor vielen Jahren mal als Autolackierer gearbeitet, diese Erfahrung kam mir zugute.

Lackauftrag mit der Spritzpistole.

Lackaufbau: 2x Grundieren bzw. Poren füllern – mit Zwischenschliff –  Farbton lackieren – anschleifen mit 800er Papier  und 2x Klarlack seidenmatt mit Zwischenschliff 800er.

Grundieren der Teile mit CLOU Schnellschleifgrund auf Nitro Basis. Minimal paar Poren zugespachtelt.

Auspinseln der Humbucker und E-Fach Ausfräsung mit Abschirmlack.

Die große Fase auf der Rückseite der oberen Kante habe ich reingeschliffen zwecks besserer Ergonomie am Körper.

Lackieren des Bodys mit „Sonic Blue“ Nitrolack aus der Spraydose von ML- Factory (durch den Breitstrahl ging das super) und nach Trocknung „agen“ durch stellenweises durchschleifen einiger Stellen. Anschließend überlackieren mit CLOU Klarlack seidenmatt auf Nitrobasis.

Für eine Garagenlacke top geworden, ohne Staubeinschlüsse und Lecknasen und das ohne professionelle Lackierkabine  (hüstel) . Die Nitrolackprodukte von CLOU ließen sich sehr gut  mit der Spritzpistole verarbeiten und trockneten sehr schnell.

Nachdem ich mir ein paar Gedanken und Recherche zur Schaltung des Humbuckers gemacht habe konnte ich diese zusammenlöten. Vor Einbau die Schaltung mit Multimeter in jeder Schaltposition durchgemessen. Funktioniert astrein. Habe noch einen Kondensator 0,22nF fürs Volume Poti zwischengelötet.

Achja, Tailpiece und die Ausfäsungen für Humbucker und E- Fach aufgrund des leitfähigen Abschirmlacks habe ich natürlich auch noch geerdet.

Hier mein selbstgezeichneter Schaltplan:

Endmontage mit diversen Teilen von ML- Factory u.a. z.B. Aluminium Tailpiece und neuer Knochensattel für den Hals.

Gibson Mechaniken (Geschenk vom Nachbarn- nochmal vielen Dank an dieser Stelle). Als kleine Spielerei ein stylisches poliertes Edelstahlschmankerl für die Kopfplatte was ich entworfen und auslasern habe lassen 😉

Ernie Ball „Heavy Bottom“ Saiten aufgezogen  Stärken: 010– 052

Justage der Halskrümmung und  der Saitenlage und des Abstandes vom Humbucker zu den Saiten. Alles ließ sich wunderbar einstellen. Genauso gut ließ sie sich stimmen inkl. Intonation. Also Halstasche und Position Bridge alles richtig gemacht.

Die leichte Durchschimmerung  der Holzstruktur war mir bewusst und ist auch so gewollt.

Trotz der doch 5 (dünnen) Schichten Lack wollte ich die Oberfläche nicht so zukleistern.

Alles in allem ein geiles Rockbrett geworden welche im seriellen Betrieb richtig rockt und im Single Betrieb auch schön twangig clean klingt.

Mit Sicherheit sind meine Bastelkünste momentan noch besser als meine Spielkünste, naja macht trotzdem Spaß und ich bleibe am Ball. Penta und Metronom lassen Grüßen.

Auch allen anderen viel Glück, sind schon wirklich einige spitzen Teile dabei.

Gruß Kuddel

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Bewertung 4.7 Sterne aus 9 Meinungen

9 Comments

  1. Genau das war auch meine erste DIY-Gitarre, allerdings war bei mir auch der Body (Mahaghony) von ML! Deshalb ist dein Projekt für mich natürlich besonders interessant …

    … und ich finde du hast das super gemacht! Ne nicht alltägliche Farbe, ne neue Kopfform mit diesem Metall-Tribal, guter PU – du hast dir also richtig nen Kopf gemacht und das Ergebnis ist (natürlich Geschmackssache) richtig gut.
    Einziger Kritikpunkt ist der Schalter zwischen den Poti-Knöpfen! Ist der gut bedienbar?

    Von mir hast du auf jeden Fall volle „Sternzahl“!

    Viel Spass beim GitarreÜben
    Harry

    • Vielen lieben Dank. Ja für meine Zwecke ist der Schalter gut
      bedienbar. Hatte mir gedacht so ist der zwischen den Poti Knöpfen
      bisschen gegen unbeabsichtigtes Umschalten geschützt.
      Ob das bei einen Gig, wo man während des Songs die PU Einstellung
      verändert, hinderlich ist kann ich nicht beurteilen. Soweit bin ich noch
      lange nicht . Aber die Bohrungsdurchmesser sind alle gleich.
      Veränderung der Anordnung jederzeit möglich.

  2. Bau schön dokumentiert, sieht gut aus und die eigenwillige Kopfplatte gibr dem Schätzchen einen ganz besonderen Touch. Gefällt mir sehr. Dafür gibt´s 5*****

    • Vielen Dank
      Jupp du hast recht. Das hat dein geschultes Auge sehr gut erkannt.
      Ich finde das Design der Gitarren von Earl Slick hammermäßig, um es
      mal mit Dieter Bohlen’s Worten auszudrücken, und würde lügen
      wenn ich sagen würde ich hätte mich nicht vom Design inspirieren lassen.
      Mal was anderes als die üblichen Formen.

      • …und die Slick ist wiederum eine Kopie der Gibson Melody Maker
        https://shop.guitarpoint.de/en/Gibson/1963-Gibson-Melody-Maker-Sunburst-incl.-softcase. Guter Bericht übrigens, hab ich gestern Abend übersehen.

        Übrigens – Um deine CAD-Kentnisse und dazu die Möglichkeit, das Design direkt auf eine Fräse zu übertragen, beneide ich dich. Da könnte man richtig abgefahrene Designs machen, sofern die Fräse mitspielt und es einem gefällt. Google z.B. mal nach „Backlund Guitars“

        • Jo mag sein. Das entzieht sich meiner Kenntnis.
          Frästechnisch ist so gut wie alles möglich, durch
          die simultane Verfahrbakeit der Achsen sind auch
          Freiformflächen möglich. Alles nur eine Frage des
          Aufwandes und das fängt schon beim 3D CAD Modell
          an. Wie schon erwähnt, mein Schwager als selbstständiger
          Modelltischler hat ne CAD/CAM Anbindung, auch mit eigener
          CAD Erstellung. Der ist offen für alles. Könnte den
          Kontakt vermitteln

          • Danke, aber CAD Software ist mir zu komplex, das ist was für Profis 😉
            Sollte ich malm sehr viel Zeit haben, dann komme ich gerne auf dein Angebot zurück.

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