Style I – Christian Pico-Sanchez

Hallo Matthias!
Hier nun die Letzte im Bunde.

Ich stelle euch heute ein „Patchwork-Stratocaster-Projekt“ vor.

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Meine Vorstellung einer Strat ist nicht das was man Standard Stratocaster nennt, sie muß anders sein.

Ich sehe die Stratocaster als die „Modul-Bausatz-Gitarre“, sie wird dadurch sehr flexibel und es gibt für keine andere E-Gitarre soviele verschiedene Ersatz-Komponenten.

Ich habe sehr viele Strats gebaut und selbst sehr lange Strats gespielt, ich hatte in den letzten 30 Jahren genau EINE Stratocaster, die ich NICHT modifiziert habe, eine 1974 Stratocaster mit Hardtail.

Aber zurück zum Gegenstand der Präsentation.

In meiner Wohnung lag seit vielen Jahren ein alter Strat-Korpus herum. Es handelt sich dabei um ein mysteriöses Stück Schichtholz aus der „Lawsuit-Ära“, wir in Wien nennen soetwas „Manner Schnitten-Korpus“.

Anmerkung: Manner ist ein tradtitioneller Wiener Hersteller von Süßwaren, die Haselnuss-Schnitten sehen seitlich betrachtet mit ihren Schichten aus wie diese Schichtholz-Bodies.

Die Halsplatte sowie die kaputten alten Schrauben hatte ich auch noch…

Was fehlte also noch zur kompletten Gitarre? Einfach alles andere, dieses besorgte ich mir bei ML-Factory.

Den Hals besitze ich ebenfalls schon einige Zeit, ursprünglich sollte er für eine Frankenstrat (mit Floyd Rose Sattelklemme) dienen, durch den Neigungswinkel nach dem Sattel am Headstock war das aber nicht möglich, so lag er einfach herum. Ich tauschte nur den Sattel gegen einen alten Knochensattel aus.

Es fehlten eigentlich nur noch „die Kleinteile“: Mechaniken, Elektrik, Tremolo, Schiffchen…

Als Pickups verwendete ich zum allerersten Mal EMG.

Eigentlich gefällt mir EMG vom Sound-Charakter überhaupt nicht, doch da gibt es EINE Ausnahme.

Die EMG-HZ-Pickups sind allerdings passiv und orientieren sich an „Vintage-Pickups“. Ich habe vorab einige Reviews gelesen und mir die Soundsamples auf der EMG-Homepage angesehen/angehört, war am Ende angetan von diesen Pickups. Absolut empfehlenswert!

Ich verwendete allerdings nicht die EMG-Pickup-Kappen, sondern alte Kappen, die ich dann nach Belieben und vor allem ohne EMG-Logo-Prägung verändern konnte.

Um meinen Vorstellungen gerecht zu werden, fertigte ich eine Schlagplatte aus Polystrol, die folgendes haben musste: einen umgedrehten Steg-Pickup. Vorraussetung dazu ist hier eine Humbuckerfräsung am Steg…

Diese Variante ist auch unter der Bezeichnung „Voodoo-Stratocaster“ bekannt, Jimmy Hendrix, der bekanntlich die Rechtshänder-Stratocaster einfach umdrehte und die Saiten neu aufzog, prägte diese Variante. Fender brachte auch bei den Jimmy Hendrix-Signature-Modellen „Voodoo Strats“ heraus.

Was ist neben der Optik (Ja, ich habe wieder Carbon-Folie verwendet) jetzt aber das Besondere daran?

Der umgedrehte Tonabnehmer hat so auf den Bass-Saiten einen brillanteren Ton, das heißt mehr Twang, wird dabei aber nicht zu dünn. Die Diskant-Saiten bekommen in dieser neuen Position vergleichsweise mehr Wärme und sind nicht mehr so schrill, das alte Problem vieler Strats.

Der Steg-Pickup bekam aber noch einen Boost: Ich befestigte auf der Bodenplatte des Pickups eine Aluminium-Grundplatte, die ich einem alten Fender Lace-Sensor entnahm. Diese Aluminium-Platte begrenzt das Magnetfeld der Einzelmagneten und so „hört“ der Pickup besser.

Grundsätzlich wird hier vorwiegend Stahl für die Grundplatten verwendet, Messing sieht man auch manchmal. Die Wahl auf Aluminium fiel deswegen, weil ich diese Platte nicht mehr bearbeiten musste und es genauso funktioniert. Basta!

Das Resultat ist etwa wie das „Hotrodden“, das Überwickeln der Spulen, allerdings ohne verändertem Sound-Charakter. Der Pickup wirkt leistungsstärker und aggressiver, wird aber im Vergleich zum Überwickeln nicht mittiger vom Charakter.

Man findet diese Modifikation bei einigen renommierten Herstellern, unter anderem auch bei Lindy Fralin in seinem Woodstock-Set…

Was ich noch wollte war eine 7-Sound-Variante wie bei Fenders Deluxe-Stratocaster, allerdings ohne zusätzlichem Schalter und regelbar.

Diese Variante schaltet den Steg-Pickup ein, in Kombination mit dem Hals-Pickup ergibt sich somit der Telecaster-Zwischenpositions-Sound. In der Stellung Hals/Mitte bringt der zugeschaltete Steg-Pickup alle 3 Pickups zugleich, einen sehr lebendiges Soundbild!

Meine Lösung macht das zweite Ton-Poti zum Volumeregler für entweder Hals oder Stag-Pickup, dies können je nach Schalterposition dazugeregelt werden.

Es empfiehlt sich hier eine Reverse-Version des Potis (also für Linkshänder), da bei dieser Schaltung der Regelweg sonst verkehrt laufen würde. Heißt somit: 10 auf der Skala des Potiknopfes bedeutet Stille, volle Lautstärke.

Somit sind, wie der Name der Schaltung auch andeutet, Überblendungen der Pickups möglich.

Der Schaltplan ist als Abbildung dabei, ist völlig einfach zu löten und bringt wirklich neues Leben in die Strat. Das Brumm-Problem wurde durch
komplette Abschirmung des Elektrikfaches und Kontakt mit der Schlagplatten-Abschirmung eliminiert. man erreicht damit sehr viel, kann ich jedem nur empfehlen.

Da mich persönlich durch kurze Masekabel das Umdrehen der Schlagplatte einer Stratocaster immer wieder verärgert, habe ich mich dazu entschieden, die Massekabel in voller Länge zu lassen und sie auch nicht an die Potis zu löten, sondern gesammelt in Lötlaschen an die Elektrikfach-Abschirmung zu schrauben.

Funktioniert perfekt, man hat auch eine bessere Platzaufteilung im Elektrikfach. Dasselbe passierte natürlich auch dem Massekabel der Federkralle des Tremolo.

Tremolo: Hier entschied ich mich für das Vintage-Tremolo von Wilkinson, das mit den gebogenen Blechreitern, eben so weit wie möglich am alten Original orientiert.

Ein sehr gutes Tremolo zu einem sagenhaft günstigen Preis. Susatinblock aus Messing oder Stahl ist als Option wie immer Geschmackssache, ich blieb beim Originalzustand.

Der oben erwähnte Knochensattel trägt seinen Teil zu einer verbesserten Stimmstabilität bei, manche Stratspieler schwören auch auf Grafitsättel, wieder ander auf den Wilkinson Rollensattel.

Ich habe das Tremolo „floating“ montiert, also nicht auf der Decke aufliegend, dadurch kann der Tonumfang in beide Richtungen verändert werden.

Nun zur Optik, den Klebern: die Idee mit den Wortspielen zu „Chiquita“ hatte ich schon vor langer Zeit. ich machte damals T-Shirts-Designs zu den Wortspielen. Genau diese finden wir neben einigen anderen Klebern und „Echten Bananenklebern“ auf der Gitarre. Warum? Weil ich es möchte. Der Sinn dahinter sollte nicht gesucht werden, es gibt keinen, nur die Wortspielchen.

OK, Jimmy Hendrix im Chiquita-Logo (Chiguitar) passt natürlich optimal zur Schaltung…

Egal, so wie die Gitarre jetzt ist, bleibt sie. Wer sich damit anfreunden kann, Gut, wenn nicht, dann eben nicht.

Ich hoffe, daß ich Euch im Bereich Gitarren-Elektrik einige neue Sachen zeigen konnte, die Euch gefallen.

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