Sonstiges – Ingmar Mumm

Moin moin!
habe mir eine eigene Cigarboxguitar aus Resthölzern unserer Tischlerei und herumfliegender Hardware von ml gebaut. Sie sieht mit meinem persönlichen Einfluss eher nach einem schwarzen diabolischem Gebastel aus. dürfte Sie trotzdem außer Konkurrenz am Wettbewerb teilnehmen? In dem Fall würde ich mir allerdings noch die Mühe machen ein umfangreiches Review mit teaservideo zu verfassen.

Ingmar Mumm - SonstigesIngmar Mumm (2)Ingmar Mumm (3)Ingmar Mumm (4)Ingmar Mumm (5)Ingmar Mumm (6)Ingmar Mumm (7)Ingmar Mumm (8)Ingmar Mumm (13)Ingmar Mumm (14)

Die Anfrage, ob meine CBG (Slidegitarre) überhaupt außer Konkurrenz am Wettbewerb teilnehmen kann, wurde nun ja bereits als Beschreibungstext online gestellt.
Hier also ein schnell erstellter Überblick zum Bau, denn einige weitere Hintergründe sollte ich dazu schon loswerden:
Alles begann mit der Empfehlung eines Tischlerkollegen zu Seasick Steve (geiler Typ):

ML Factory – Bausätze haben mich über Umwege zu meiner 2. Ausbildung zum Tischler gebracht, also hat es nicht lang gedauert, bis ich meine erste Zigarrenbox für einen Eigenbau in Händen hielt.
Nach kurzer Onlinerecherche war die Materialliste schnell zusammengestellt:
– Halsbrett (ggf. mit Griffbrett)
– Zigarrenbox
– Steg & Brücke
– Tonabnehmer ( zzgl. Poti und Buchse – was noch von Bausätzen zu stehlen war)
– nur die nötigste Hardware (in meinem Fall beschränkt auf 4 schwarze Mechaniken)
– irgendwelche dicken Gitarrensaiten

Mit dem Wissen, dass Buche im Gitarrenbau i.d.R. nicht mehr verwendet wird, habe ich mich trotzdem dafür entschieden. Preis, Zugfestigkeit und Verfügbarkeit in der Resteecke unserer Tischlerei haben einfach dafür gesprochen. Cigarboxguitars (CBGs) sind in ihrer Geschichte nun wahrlich nicht dafür bekannt, best durchgeplanteste Instrumente zu sein. So wollte ich möglichst wenig Bestandteile extra kaufen, sondern verbauen was verfügbar ist.
Vor allem aus Optikgründen habe ich zu aller erst ein Teil des Halsbrettes für die Kopfplatte abgewinkelt. Anschließend wurde ein perfekt geeignetes Ahornreststück ausgehobelt und zum Griffbrett aufgeleimt. Nach dem Bündighobeln konnten seitlich angefügte Flügel die eigentliche Kopfplatte bilden.
Bei der Formgebung konnte ich es bei dieser Chance nicht lassen, meiner Vorliebe für Metaläxte Ausdruck zu verleihen. Einen Feierabend habe ich somit für einen BC Rich-artigen look verwendet. Der Meister hat meine Quälerei mit: „sieht irgendwie aus wie’n Krebs.“ fachmännisch demoralisiert 🙂

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Als nächstes habe ich dem Hals gleich ein C-Shape verpasst. Sowohl Besenstiehle als auch echte Kanteln am Hals sind bei gleichartigen Selbstbauten keine Seltenheit. Nicht zuletzt wegen der Zugfestigkeit wird auf großartige Shapes allzu oft ganz verzichtet. Für mich hat sich, seit ich mich einmal mit einem D-Shape versucht hatte ergeben, dass man sich zugunsten eines angenehmeren Spielgefühls besser seiner persönlichen Gewohnheit fügt.
Je zwei 9er Rundungen mit der Oberfräse haben das fix erledigt. Ich muss übelstes Glück mit der Entscheidung zu genau diesem Fräser gehabt haben, denn nach gepflegten anschließenden Schleifgängen, kann ich bis heute nicht Negatives an der Arbeit des Halses finden.

Die Zigarrenbox wurde nun mit der Japansäge an ihren kurzen Seinten um die Halsdicke eingeschnitten und der Hals so eingelassen.
Für den single coil musste vor der Hochzeit (Hals liebt Korpus) zunächst Platz geschaffen werden. Der durchgehende Hals wurde also an der Stelle ausgeklinkt, wo ich bereits den Tonabnehmer-Ausschnitt in der Klappe geschaffen hatte.

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Erst als die Mensur also angerissen war, konnte das untere Halsende abgelängt werden. Bei dieser (ursprünglichen) string trough-Bauart ist es für die komplette Stabilität des Instrumentes wichtig, den durchgehenden Hals so stabil wie möglich zu belassen. Nicht jede Zigarrenkiste ist gleichermaßen stabil und der Saitenzug später nicht zu unterschätzen.
Hochzeit:

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Als Schalllöcher passten zu dieser diabolischen Kopfform der von mir sympathisierte Punisher-Schädel. Diese Arbeiten waren am aufwendigsten. Dank an Dremel und Laubsäge.
Wie man sieht, schreit die mittlerweile recht Metal-lastig fortgeschrittene Form schlichtweg nach Korpusflügeln. Der erste Entwurf, der sie zu einer optischen BC-Rich-Kopie gemacht hätte, kam mir einem Ufo-Aussehen zu nahe. Zwei Dreiecke haben hier also das Rennen und den Slider eher zu einer flying V gemacht:

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Elektronik angeschlossen und selbstverständlich noch standesgemäß schwarz gebeizt und lackiert:

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Ziel & Fazit:
Mein Ziel war die Herstellung einer eigenen CBG mit dem Wunsch, damit einst Dinge wie Seasick Steve oder Mike Snowden anstellen zu können.
Mit dem Baufortschritt wurde aus der ersten Vorstellung eine der ursprünglichsten CBG (mit recycelten Türbändern als Saitenauflagen und ausgedienten Würfeln als Potiknöpfen) dieser eher an eine Metalaxt erinnernde Slider. Wenn man sich aber nun mal in der herrlichen Gelegenheit befindet, ein Wunschinstrument seinen Vorstellungen ganz und gar selbst zu gestalten, ist es naheliegend nicht den 1 millionsten Langweiler nachzubauen, sondern ihm seinen eigenen touch zu verleihen. Wem sage ich das? wer an einem Baucontest teilnimmt hat dieses i.d.R. getan 🙂
Ich wollte damit lediglich der Frage vorwegkommen: „Worin liegt der Sinn? Metal spielst Du ja wohl damit nicht?“
Haha! 😉
Wer will ein Slide-Metal-Genre gründen?

Fazit:
Nach einer Bundierung und Aufzug dickerer Saiten (EADG [18,28,38,48] Saiten eines ausgedienten powerslinky Saitensatzes) ist diese Gitarre erstaunlich gut spielbar.

Ingmar Mumm

Steg und Bridge sind zugunsten der einstellbaren Intonation nicht fix montiert. Die Saitenhöhe ist damit durch ein Ersatz dementsprechend höherer oder niedrigerer Module in gewissem Maß bestimmbar. Als Steg fungiert ein Stück (schwarz lackierte) Gewindestange, die es bekanntlich in diversen Größen gibt. Die Brücke ist aus Holz und damit von mir jederzeit leicht ersetzbar.
Der asiatische Single Coil von ML pfeift nicht schlecht, gibt dem ganzen damit aber irgendwie seine Authentizität wieder und klingt für mich somit auch keiner Verbesserung würdig.
Ich kann jedem so ein Selbstbauprojekt nur empfehlen. Man lernt äußerst viel dazu aber auch was es zu verbessern gäbe.
Mögliche Verbesserungen:
– Mensur:
Bei der offenen Stimmung einen intonativ absolut sauber klingenden Akkord greifen zu können erfordert hier noch Übung. Eine höhere Saitenspannung (, die sich vielleicht sogar positiv auf die Stimmstabilität auswirken würde,) könnte dieses erleichtern.
– Saitenanzahl:
Die erste Euphorie mit einem 4-Saiter viel aufregendere Dinge als mit einem 3-Saiter rocken zu können ist schnell verflogen. Drei Saiten und ein damit einhergehend dünnerer Hals wären für mich komfortabler und bringen bei meiner spielerischen Qualität keinen nennenswerten Minderwert. Das nächste Projekt lautet damit voraussichtlich 3-Saiter *freu*.

Freue mich auf Hinweise, Grüße, Tipps, Kritik, Sterne usw.!
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