Sonstige – Uwe Faulborn

Sonstige – Uwe Faulborn

Reverse Skelett-Explorer mit Built-In-Mäusekino

Am zwölften Schwarzmond 2020 gaben sich

der leuchtende Herr Korpus und die strahlende Frau Kopfplatte

im Angesicht des Heiligen Siebenzack

das Ja-Wort für eine gemeinsame Zukunft als Progrock-Balalaika.

Beide hatten vorher in ihrem kurzen Leben so manchen schweren Eingriff überstehen müssen.

Zumindest schmerzfrei, dafür hatte ich gesorgt.

Es war nicht alles gut.

Manches war auch gut-gut.

Dennoch bleibt die Frage:

Wann gibt es den ersten Krach?

 

Kein Problem, aber bitte seid gnädig.

Dies ist ein unbearbeiteter Spontan-Mitschnitt.

Es geht mir um 3 Takte GEMA-freie Geräuschkulisse.

Damit möchte ich eine Farbszene veranschaulichen und keine gitarristische Spitzenleistung.

https://youtu.be/JSz0kVxSCk8

 

Dieses Jahr war alles anders.

Eigentlich wollte ich mir „nur“ eine ganz normale Explorer bauen.

Mit einem kleinen, persönlichen Touch.

Eigentlich…

So begann ich vor fast einem Jahr mit meinem neuen Aggressions-Abbau-Training.

Der Postbote brachte die Grundriss-Schablone der Explorer.

Euphorisch begann ich sofort nach dem Auspacken mit dem Aufzeichnen auf die 2 cm-Mahagonie-Bohle.

Erst nach Stunden intensiver Detailmalerei bemerkte ich entsetzt, dass ich bei der Schablone die Oberseite, also die Decke, mit dem Boden verwechselt hatte.

Und es sollte doch keine Linkshänder-Explorer werden.

Enttäuscht wollte ich schon wieder alles von der Bohle runterschrubben.

Quasi im letzten Moment erfuhr ich jedoch, dass Gibson tatsächlich vor ein paar Jahren eine solche Revers-Explorer in kleiner Stückzahl gebaut hat.

Ob das bei denen vielleicht auch so eine Verwechslung war?

Warum also nicht an meinem vermeintlichen Missgeschick weiter werkeln…

 

Als Sitz-Gitarrist kam mir die Korpus-Spitze zwischen den Beinen nicht ungelegen.

Ich hab erst einmal mit einem Styrodur-Modell Probe gesessen.

Dabei merkte ich, dass das Horn viel zu steil nach oben steht.

Damit es keine Missverständnisse gibt:

Hier hab ich das Horn abgeknickt und das Zellen-Muster auf den ganzen Korpus übertragen.

Ein klein wenig wie bei der Ibanez Paul Gilbert.

Die ursprüngliche Explorer-Form ist noch rot unterlegt zu sehen.

Der Jackson-Hals diente hier nur als Statist, eine eigens gestaltete Kopfplatte war mein Ziel.

 

Als ich dann die Graph Tech 3+3-Tuner zum ersten Mal sah, war mir klar, dass ich diese unbedingt für mein Projekt haben muss.

Man beachte:

Jede Saite hat eine eigene Übersetzung, d.h. bei jeder Saite entspricht eine Umdrehung genau einem Halbton.

Und das Flügel-Design konnte nicht besser zum Korpus passen.

Leider haben die Filzstifte bei meinem Direkt-Import kräftig mit abgelöffelt.

Meine Hoffnung, die 3+3 Tuner auf 6L umbauen zu können war ein Trugschluss.

 

Bei ML gibt es einen wunderschönen Hals mit Tribal-Einlagen und Paddel-Kopf.

Diesen hatte ich bereits vor einiger Zeit gebunkert.

Allerdings hatte ich damals voreilig das Paddel auf Ibanez-Profil (6L) ausgeschnitten und gebohrt.

Die schwäbische Hausfrau wirft nix weg, also wieder zurück bauen auf 3+3.

Dies wurde dann meine Interpretation von Pik-Ass, oder wer es englisch will „Ace Of Spades“.

Esche auf Ahorn, naja- aber ich wollte ja sowieso deckend lackieren.

Die Esche-Streifen habe ich zusätzlich verdübelt.

Und später kam dann noch die Raute rein und die Zacken wurden abgespeckt, wir wollen ja nicht kopflastig sein.

Als Spieß ist er aber immer noch ganz gut zu gebrauchen- sogar ohne Waffenschein!

Ich wollte der gesamten Gitarre einen metallischen Aussehen geben.

Der Hals sollte wie gebürstetes Aluminium aussehen, aber keinesfalls wie lackiertes Ofenrohr.

Schleiforgien waren vorhersehbar.

Vom letzten Sommer hab ich nicht allzu viel mitbekommen, da ich wochenlang nur Löcher aus dem Korpus geraspelt habe.

Den historischen Moment „Das letzte Loch“ habe ich im Bild festgehalten:

Aber dann kam der erste wirkliche Lichtblick in mein finsteres Labor.

Inzwischen hatte ich so viel Material abgetragen, dass mir Zweifel an der Road-Tauglichkeit meines Schätzchens kamen.

Zur Stabilisierung habe ich deshalb die Decke mit Epoxid-Harz „verglast“.

In das noch flüssige Harz habe ich Glimmerspray aus dem Karnevals-Fundus meiner Allerliebsten gerührt.

Danach wurde eine weitere Mahagoni-Bohle als 1 cm dicker Zargenkasten ausgesägt und aufgeleimt- ich hasse Oberfräsen.

Immerhin musste noch Raum für die Technik und 5 Meter LED-Band geschaffen werden.

Dabei habe ich mich bei amazon für „Goovee Dreamcolor“ entschieden.

In der Beschreibung heißt es vielversprechend: „Für alle, die mehr als eine gewöhnliche LED-Kette wollen“.

Hier gibt es die Möglichkeit, jede einzelne LED separat über eine App zu steuern- mehrere Millionen Szenen sollen so realisierbar sein.

Schaun wir mal…

Allerdings musste ich noch eine Lösung für ein übersichtliches Anschluss-Terminal finden.

Links eine selbstgebaute 12V-Buchse für die Bordspannung, ganz rechts die 13-Pol-Multicore-Buchse für die digitale Ausgabe und in der Mitte traditionell anal.

Und das alles in drei versenkten Stratstyle-Buchsen.

Die rückwärtige Korpus-Abdeckung habe ich aus einer Acrylglas-Platte gesägt.

Entscheidend war die Licht-Durchlässigkeit des Materials.

Als Kratzerschutz habe ich alles mit 2K-Lack versiegelt.

In der Mitte befindet sich das Batteriefach für den Aktiv-PU von EMG.

Ich bin gerne auf alle Katastrophen vorbereitet.

Daher ist die Spannungsversorgung des Aktiv-PU auch über den 12V-Eingang oder über die Digitalplatine möglich.

Falls ich irgendwann keine rückseitige  Bauchbeleuchtung mehr will, habe ich zum Austausch eine 5mm-Rückwand aus Mahagonie parat:

Außen gebürstet silber, innen mit Spiegelfolie als Reflektor.

 

Bei dem Roland- und dem EMG- PU konnte ich mir eine farbliche Bearbeitung nicht verkneifen.

Die tolle Babicz-Brücke hab ich von ML, leider ist sie nicht mehr im Sortiment.

Von allen Arbeiten, die ich im zurückliegenden Jahr an dieser Gitarre getätigt habe, empfand ich das Verlegen des LED-Bandes als am nervigsten.

Dieses lässt sich nicht gerade übermäßig biegen, so hab ich amazon zusätzlichen Umsatz beschert.

Es gab nur die Möglichkeit einer Silikon-Verklebung- und ich hasse Silikon.

Kurzzeitig nahm mein Baldrian-Konsum schwindelerregende Ausmaße an.

Aber dann kam der Moment, als mein Baby zum ersten Mal Papa zu mir sagte…

Späschel Senks, inkognito:

Ein Kollege hier aus dem GC stiftete mir Zeichnungen und Edel-Bauteilen für die Ex.

Plus vieler geduldiger und für mich unschätzbar wertvoller Experten-Tipp´s.

Ein weiterer Kollege half mir immer wieder mit fachmännischen Empfehlungen zur Bauchemie und den neuesten Werkzeugen.

Ich hätte ohne solche Kumpel nie so schnell mein Ziel gefunden.

Da kann ich nur Danke sagen, das nenn ich vorbildlich.

Schließlich geht es hier nicht nur um´s Präsentieren und Protzen.

Der Dialog und Ideen-Austausch unter uns Gleichgesinnten birgt schließlich auch soziales Potential.

Und zum Glück laufen da draußen nicht nur Egoisten rum.

Immerhin arbeiten wir doch alle am selben Traum.

Wenn also jemand von Euch noch irgendeine Frage zu meiner Progrock-Balalaika hat- ich erzähl auch gern detailiert.

Wozu auch irgendwelche Geheimnis-Krämerei?

Der liebe Gott weiß alles, das Internet noch viel mehr.

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Bewertung 4.9 Sterne aus 25 Meinungen

11 Comments

  1. Und täglich grüsst das Murmeltier.
    Wieder ein ein tolles Ding. Super Präsentation und auch wieder die Liebe zum Detail wie schon gewohnt. Hammerteil und 5 Sterne. Gäbe es noch einen Extrastern für Originalität würde es diese Gitarre bestimmt bekommen.

  2. Wow.
    Ich habe zwar keine Ahnung von Gitarren und bin nur passiver Hörer. Aber wenn man sieht, was für Aufwand und Detailarbeit dahinter stecken, ist man echt fasziniert. Falls ich Gitarre spielen würde und könnte, würde ich mir so ein Unikat holen.
    LG, Lars.

  3. Hallo Uwe. Ich bin begeistert. Da steckt ja ne Menge handwerkliche Arbeit, viel Ausdauer, hervorragende Zutaten und eine Vielzahl verrückter Ideen drin. Das Ergebnis ist nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch klanglich genial!!! Für mich ist das die Nr. 1 Deiner zahlreichen tollen Bauwerke. Da gebe ich gerne die vollen 5 Punkte!

  4. Hut ab, das sieht ja wieder einmal ganz fantastisch und sehr filigran aus. Leider konnte ich das gute Stück noch nicht hören aber ich gehe davon aus dass es einen exzellenten Klang hat. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit deinem leidenschaftlichen Hobby.

  5. Hallo Uwe,
    durfte ja schon bei deiner Einzelteilbauphase dabei sein.
    Die Liebe bis zum kleinsten Detail, die außergewöhnliche Kombi von sehr eindrucksvoller Kunst und musikalischen Tönen findet man nur bei deinen Kreationen.
    Digitale Schnittstelle für flashlight, sehr sorgfältig und einmalig gebautes Griffbrett und never ending art deiner Materialauswahl und Oberflächengestaltung ist beispiellos.
    Hüte ab vor deinem Erfindergeist und Kunsttalent,
    5 Sterne mit Kreuz (5+)

    • Danke Hans, aber das Griffbrett hab ich nicht selbst gebaut.
      Dieses gibt es als Hals fix und fertig und für viele unwiderstehlich hier im Shop.

  6. Ich hatte Gelegenheit das gute Stück live zu erleben und kann nur sagen boah ey. Uwe hat einmal mehr seine Liebe zum Gitarrenbau voll ausgelebt.

  7. Voller Glam-Rock-Gitarren-Porno vom allerfeinsten. Die Kapelle dafür gibts leider noch nicht, vielleicht finden sich ein paar Japaner im Godzilla-Manga-Style . Am besten find ich die die Kombi aus Showroom und High-Tech, also Lichtorgel und Hex-PU mit aktivem EMG. Langsam wirds schwer für dich, dich zu toppen. Andere schaffens eh nicht mehr

  8. HAMMER !!! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Aber Deine Gerätschaften waren ja schon immer ausergewöhnlich. Volle 5 , mehr geht leider nicht 😉

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