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RBK Style – Karl Huber

Karl Huber RBK Style Ganze Gitarre Karl Huber RBK Style Body vorne Karl Huber RBK Style Bau - Kopfplatte Bohrungen Karl Huber RBK Style Bau - Furnier Saitenhalter Karl Huber RBK Style Kopf hinten Karl Huber RBK Style Headstock front

Ein paar Worte zum Original

Als grobe Vorlage für den Bausatz dient eine Rickenbacker 330/6 aus den frühen 60ern. Damals waren 12-saitige Gitarren populär, aber Rickenbacker hatte keine im Angebot. Deshalb wurden auf Basis der ähnlichen 360 drei 12-saitige Prototypen gebaut. Als die Beatles im Februar 1964 in die USA kamen, nutzte Rickenbackers Chef Rick Hall die Gunst der Stunde und überreichte George Harrison ein Exemplar. George fand Gefallen am flirrenden Sound und spielte in den darauffolgenden Jahren mehrere Songs mit der Ricky ein, zum Beispiel „A Hard Day’s Night“, „Eight Days a Week“ und „Ticket to Ride“.

Zum Bausatz

Ich habe einen „normalen“ 6-String Bausatz verwendet. Der Bausatz unterscheidet sich vom Original in folgenden Punkten:

  • Beim Original wird der Korpus aus einer Ahornplatte gefräst und mit einem Ahornboden versehen, beim Bausatz ist es ein vierteiliger Lindenkorpus mit aufgeklebter Decke aus Sperrholz. Der Korpus des Originals ist um einiges grösser als der des Bausatzes. Einen interessanten Film zum Rickenbacker Produktionsprozess gibt es hier: www.youtube.com/watch?v=NEuqgZzKxC4
  • Beim Original besteht der Hals aus längs verleimten Ahorn-Streifen. Bei der Kopie ist der Hals dreiteilig und besteht aus angeschäfteter Kopfplatte, Mittelteil und angeklebtem Halsfuss.
  • Das Original hat zwei oder drei Single Coils, der Bausatz wird mit zwei Mini-Humbucker geliefert.
  • Das Original besitzt eine Stereo-Schaltung (PUs getrennt oder Mono, dazu ein Mischregler, 2 Ausgänge), der Bausatz kommt mit einer fertig verlöteten Standard-Schaltung (2 Vol, 2 Ton, 1 PU Switch, 1 Mono Ausgang).

Meine Variante

Die mitgelieferten modernen Tuner mit 10er Bohrungen ersetzte ich durch kleinere Vintage Tuner. Die ursprünglichen Bohrungen wurden zugedübelt. Die Kopfplattenfenster habe ich mit der Stichsäge gesägt, beim Original sind sie eingefräst und rückseitig zu.

Die PUs sind GFS-Minitrons, am Hals ein Alnico, an der Brücke ein Keramischer. Die vorverdrahtete Schaltung habe ich wie geliefert verbaut. Pickups angelötet, fertig.

Beim Saitenhalter (Harfe) habe ich das Ornament rausgesägt. Der Saitenhalter funktioniert auch für 12 Saiten, man hängt zwei Saiten in ein Loch. Die Brücke ist Ricky-Style aus dem ML-Shop. Ist Die mittigen Saitenkerben hab ich rausgefeilt, danach paarweise neue Kerben eingefeilt. Der Sattel wurde aus einem Knochenrohling gefeilt, ebenfalls aus dem ML Shop.

Jetzt zu Korpus und Finish. Auf der ML Homepage findet man zu diesem Bausatz folgenden Hinweis:

Achtung, durch das vorhandene Shaping im Bereich des Saitenhalters macht es sich erforderlich den betreffenden Bereich zu spachteln! Aus diesem Grund ist dieser Bausatz nur bedingt für transparente Oberflächenbehandlung geeignet!“

Das hab ich ignoriert, ich wollte nicht deckend lackieren. Da ich die Kopfplatte wegen den gedübelten Bohrungen ohnehin beidseitig furnieren musste, habe ich besagte Stelle ebenfalls mit dünnem Ahorn und Leim furniert. Nach dem Schleifen wurde der Korpus blau gebeizt und mit einer Lage gepinseltem Fertig-Schellack versiegelt. Das resultierende „Finish“ wirkt abgegriffen, Dings und Dongs stören da überhaupt nicht, wunderbar. Der Hals wurde nur mit Schellack gestrichen, das ergibt ein schönes Nikotingelb. Eine Lage reicht, sonst wird es fleckig. Der resultierende Überzug ist griffig, dünn und robust, für mich ist das eine günstige und saubere Alternative zu Nitro. Lackiert habe ich vor dem Einkleben des Halses.

Das mittgelieferte, strahlend weisse Pickguard passte optisch nicht zum Finish. Da es gut geschnitten war, habe ich es angeschliffen und mit Schellack und Spiritus „geaged“. Die Hardware habe ich nicht behandelt, ich mag keine Säurenebel.

Alles in allem gefällt mir das Finish. Mit meinen bescheidenen Möglichkeiten und Fähigkeiten funktionierte das besser als eine nicht wirklich glatte Hochglanz-Oberfläche.

Sound und Bespielbarkeit

12 saitige machen einem den Umstieg nicht einfach, die Hälse haben normalerweise um die 48mm Sattelbreite anstelle der üblichen 42mm. Die originale Ricky hat einen eher schmalen Hals, bei 12 Saiten auch nicht optimal. Bei der Kopie passt es ganz gut, den Hals empfand ich für eine 6 Saitige eher breit, für 12 Saiten ist er perfekt. Wie bei der Ricky habe ich die Oktavsaiten „falsch“ angeordnet, d.h. beim Abschlag trifft man zuerst die normale Saite, dann die Oktave. Die Gitarre ist nur leicht kopflastig und spielt sich auch sitzend gut. Der Sound gefällt mir, die beiden Minitrons klingen wie erwartet, für Humbucker eher hell, fast wie Single Coils. Man könnte die Mintrons splitten, mir reichen die gebotenen Varianten. Wegen der höheren Saitenspannung hatte ich Bedenken, bis jetzt gab’s keine Probleme, der Hals sitzt immer noch fest in seiner Tasche. Trotzdem habe ich dünne 009er Saiten aufgezogen, auch wegen der Bespielbarkeit. Ach ja, fürs Saitenaufziehen braucht man Zeit, Geduld und eine Pinzette. Aber das dürfte bei der Ricky noch schwieriger sein, dort sind die Kopfplattenfenster nach hinten zu.

Fazit

Für mich ist die Gitarre eine gute Alternative, andere 12er mit Ausnahme der Ricky haben monströse 6R-6L Kopfplatten. Meine Variante kostete mich alles in allem knappe 300€ (Bausatz, PUs, zusätzliche Mechaniken, Sattel), der Aufwand hielt sich in Grenzen. Prinzipiell kann man die Modifikation bei jeder 3L-3R Gitarre durchführen, sofern sie kein Tremolo hat.

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3 Comments

  1. Hallo Karl,
    deine Ricky sieht fantastisch aus. Ich mag diese Form ohnehin sehr. Und besonders die Arbeit am Headstock hat sich bezahlt gemacht. Wirklich toll!
    Das Finish gefällt mir ebenfalls sehr gut. Da ich sowas auch mal machen wollte, ist es schön zu lesen, welche Lacke man verwenden muss. Mir sagt besonders die Schlichtheit deiner Gitarre zu. Ich bin kein Fan von aufwendigen Mustern oder Paintjobs. Würde meines Erachtens auch nicht zu einem solchen Klassiker passen.
    Gefällt mir sehr gut (auch wenn ich sie eher als 6-Saiter spielen würde 😉 ).
    Beste Grüße,
    Sebastian

  2. Hallo Karl,
    Die Idee vom Brücke ist sehr schlau, ich habe nicht daran gedacht! Und Du hast recht: Die Saitenwechsel ist nicht unproblematisch, sicher nicht etwas was man täglich machen würde. 🙂
    Gruß
    Ad

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