VIVA Pickups von ML-Factory.

Hallo Herr List,
ich habe kürzlich einen Bericht über ihre VIVA Pickups in einem kleinen privaten TechTalk-Forum geschrieben. Ich bin begeistert von diesen Tonabnehmern, die gemessen am Preis, mehr bieten als man erwarten möchte. Ich sende ihnen hier meinen Bericht, welchen sie gerne auf ihrer Website verwenden dürfen falls sie möchten. Ich erhoffe mir dadurch keinerlei Vorteile jedweder Art. Ich bin Idealist. Und wenn ich etwas gut finde tue ich das auch kund. Kritik gehört da aber auch dazu.
Gerne sende ich ihnen auch Bilder der beiden im Bericht beschriebenen Gitarren.
MfG Daniel Büchner


Für ca. 30€ erwartet man nicht all zu viel von einem Tonabnehmer. Der Markt ist voll von günstigen Pickups. Da man aber gerade über die VIVAs viel gutes ließt, und ich für zwei Eigenbauten noch Tonabnehmer brauchte, habe ich mir die folgenden PUs bestellt:

  • SB 101/2 Twin Blade HB im SC Format
  • HB 10/2 Ceramic/Alnico Kombi HB
  • HB 11/2 Double Blade Ceramic HB

2 SB 101/2 und der HB 10/2 fanden Platz in einer HSS Superstrat mit Mahagoni Body, Esche Top, Ahorn/Zwetschge/Ahorn Hals (3-Streifig) mit Palisander Griffbrett. Mensur 648mm (Fender), Hardtail.

2 HB 11/2 fanden ihrerseits Platz in einer HH Superstrat mit Sumpfesche Body, 3-Streifigem Ahorn/Bubinga/Ahorn Hals mit Ahorn Griffbrett. Multiscale/Fanned Frets Mensur: 660-648mm. Ebenfalls Hardtail.

Besonders hervor sticht der HB 10/2. Die Kombi aus Alnico und Keramik bringt ein erstaunlich offenes Klangbild. Eine so detailierte Saitentrennung hätte ich von einem 30€ Wandler wirklich nicht erwartet. Die Mahagoni/Esche/Ahorn Kombi klingt recht rund und ausgewogen. Der HB 10/2 gibt genau diese Ausgewogenheit fast 1zu1 wieder. Ohne nölige Mitten, kein Mumpfen und Matschen. Clean oder Highgain. Der macht das alles problemlos mit. Im Splitcoil-Betrieb macht besonders die Spule mit dem Alnico einiges her. Das wirkt weder schrill noch aufdringlich. Sehr schöner Singlecoil Sound.

Einziger Wermutstropfen ist ein leichtes Grundrauschen. Das führe ich auf die Kombination der beiden Magnetmaterialien zurück. Stört aber nicht wirklich.
Der SB 101 ist so dermaßen unspektakulär das es schon wieder genial ist. Diese Pickups drücken dem Sound nicht wirklich ihren Stempel auf, sondern übertragen ohne nennenswert zu färben. Dabei wirkt das aber alles andere als linear oder steril.

Typisch für Keramikmagnete sind die Höhen gut aufgestellt und die Bässe etwas im Hintergrund. Das ganze wirkt sehr dynamisch und offen.
Mit einem Humbuckersound hat das aber nicht im entferntesten etwas zu tun. Das klingt absolut nach modernem Singlecoil. Für eine HSS Strat absolut perfekt.
Gesplittet klingen sie aber leider dünn und schrill. Bei gerade mal 7,4kOhm bleiben gesplittet ja nicht mal mehr 4kOhm übrig. Da kommt dann einfach nix mehr raus.
Für eine Vintage(Style) Erle-Strat dürften diese PUs nix sein. Dafür sind sie dann doch einfach etwas zu Höhenlastig. Für modernere Power und Superstrats, gerade mit Mahagoni oder Basswood Body sind diese aber optimal, wie ich finde.

Auch bei Highgain keine Nebengeräusche. Und vorallem kein Verlust an Transparenz.
Der HB 11/2 reiht sich da wunderbar mit ein. Im Prinzip ist das der große Bruder des SB 101. Doppelte Größe und doppelter Output. So kommen hier auch die Höhen nicht so deutlich durch und die Bässe wirken etwas vordergründiger.

Aber auch hier kein Mulm und kein Matschen. In der Esche-Multiskale Gitarre sitzt je einer an Steg und Hals. Diese Gitarre ist auf Drop C gestimmt. Die Tonabnehmer setzen das wirklich wunderbar um. Ohne dabei an Transparenz zu verlieren. Alles schön ausgewogen ohne nerviges Mittenbrett. Aber mit ordentlich Wumms.
Das beste daran ist aber das diese auch gesplittet super klingen. Nur komplett Clean wollen mir diese nicht so sehr gefallen wie die anderen Beiden.
Klanglich haben mich diese Tonabnehmer absolut überzeugt.

Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte.
Die Kabel sind wirklich sehr spröde. Bei 7 Tonabnehmern die ich inzwischen bestellt habe, war bei 6 das Kabel defekt. Bei den SB 101 ist das nicht weiter schlimm, da die Kabel auf der Unterseite des PUs an Eyelets verlötet sind. Da ist dann schnell ein neues Kabel angelötet. Im Falle der SB 101 habe ich hier ein 2-Adriges Kabel angelötet, da mir diese gesplittet ja nicht gefallen haben, und die Verbindung der beiden Spulen direkt an den Eyelets gebrückt.

Bei den fullsize HBs sieht die Sache aber schon anders aus. Hier muss man im Fall der Fälle den Tonabnehmer zerlegen um das Kabel zu ersetzen. Was für den geübten Bastler kein Problem darstellt, kann für Andere eines werden.

Während die Magneten der SBs zwischen den beiden Klingen fest verklebt sind, lassen sich die HBs recht problemlos zerlegen.
Ob ein Tonabnehmer klanglich etwas hergibt ist vorallem von den verwendeten Materialien abhängig.

Meiner Erfahrung nach vorallem von den Magneten. Gerade bei günstigen bis billigen Pickups finden sich häufig recht weiche (also das Meterial selbst) Magnete. Diese sind nur schwach magnetisiert. Ich kann hier jetzt nur raten woran das liegt, tippe aber auf eine niedere Vergütung mit Nichteiseinmetallen (hier wäre ich an genaueren Informationen interessiert).
Dadurch klingen diese PUs oft dumpf und leblos.

Nicht aber bei den VIVAs. Hier sind ordentliche Keramik bzw. Alnico Magnete verbaut.

Die Spulen sind Maschinell gewickelt. Zum Kupferlackdraht kann ich jetzt nicht viel sagen, da die Spulen mit Wachs (und zum Glück nicht mit Kunstharz) vergossen sind. Aber Kupferlackdraht ist Industrieware um die jede Menge Voodoo gemacht wird. Die Art des Lackes (Isolator) ist dabei relativ unerheblich. Dieser ist nicht leitend und hat somit auch keinen nennenswerten Einfluss auf die Induktivität und somit auf den Klang. Hier ist, wie bei den Magneten, ausschließlich die Güte des Materials entscheidend.

Der Draht hat eine hellorange Farbe. Dürfte also einen etwas geringeren Anteil Kupfer inne haben. Dem Klang tut das aber keinen Abbruch.
Ein weiterer Minuspunkt sind die Spulenkörper. Diese sind unproportional zu groß. Die Wicklung bei den SBs ist kleiner im Durchmesser als die Aussenmaße der Spulenkörper. Diese passen somit leider nicht in Ausschnitte im Pickguard für normale Singlecoils.

Bei den HBs stehen die Wicklungen teilweise über die Spulenkörper hinaus. Was auch hier dazu führt das man die Aussparung im Pickguard etwas vergrößern muss, damit die VIVAs passen.

Fazit:

  • Mit besser passenden Spulenkörpern und ordentlichen Kabeln wären diese Tonabnehmer der absolute Wahnsinn!
  • Klanglich haben mich diese komplett überzeugt, und ich selbst tue mich auch nicht schwer damit die Kabel zu ersetzen. Dennoch könnte das für so manchen ein Problem darstellen.
  • Draht und Magnete sind weit über den Erwartungen die ich an einen Tonabnehmer für um die 30€ habe.
  • Kleinere optische Mängel fallen nach wenigen Spielstunden eh nicht mehr in’s Gewicht.
  • Im Sortiment von VIVA gibt es so einige interessante Modelle. Kombinationen von Blade SB und Vintage SC in Humbucker Größe zBspl.
  • Da werde ich mir noch den ein oder anderen zulegen und natürlich darüber berichten.

VIVA Pickups im ML-Factory Shop finden:

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