Sonstige – M. Veits

Sonstige – M. Veits

Hallo Herr List,

auch wenn ich nicht einen kompletten ML – Factory Bausatz verwendet habe, sondern nur Hardwareteile, würde ich gern mein diesjähriges Modell im Contest vorstellen.

Baudokumentation Countrycaster

  • Korpus : Black Korina
  • Hals : AA-Flamed Maple, medium roasted, Einteilig, 9,5 Zoll Radius,Abalone Dot – Inlays,

56 mm Halsfußbreite, 21 Medium Jumbo Bünde, Knochensattel 42 mm, C-Shape Halsform,

10 mm Bohrlöcher, Trussrod am Halsfuß, Hals ist komplett mit Klarlack lackiert,

  • Humbucker : Originale Fender „Tex – Mex „
  • Bridge : Wilkinson WTB compensierte Bridge für Telecaster, schwarz
  • Mechaniken : Pro 6 -in Line sealed Tele Tuner, schwarz
  • Saitenhülsen für String – Thrue, TMG, 6,4 mm Durchmesser, schwarz
  • Picquard : customised „ Wild but Mild“ by derbandshop.de
  • Saiten : wie immer meine bevorzugten 10`er Optima Goldstrings 24 Karat
  • Elektronik : Replacement, Wired Control Plate Telecaster, schwarz
  • Schaller Security Pins, schwarz
  • Saitenniederhalter, schwarz, 1x
  • Jackbuchse: oval , schwarz

verwendete Sonderwerkzeuge, Lacke etc.:

  • Porenfüller und Versiegelung: Solarez UV Lack „ I can`t believe, it`s no Laquoer!“

Sonderwerkzeuge:

  • DIY – Vorrichtung zu Oberflächenabtragung mittels Oberfräse bei Einteilern da der 52 ,0 cm x 38, 0 cm x 5,0 cm Black Korina Einteilerblock ( von Alex Claas von Claas Guitars gekauft ) , nicht in meinem nur für 21 cm Breite tauglichen Dickenhobel passte.
  • Schnitzscheibe 5- Zahnig, für Ausarbeitung der Armauflage und der Bierbauchmulde

Zuerst stellte sich mir die Frage, wie ich den von Alex Claas ( Claas Guitars ) erstandenen Einteiler aus Black Korina mit den Maßen 52,0 cm x 38,0 cm x 5,0 cm, auf 4,0 cm bekomme. Ein Tischler sägte mit großer Bandsäge den Block 1,0 cm längs auf, da meine Bandsäge nur bis 6,0 cm Höhe reicht. Dann mußte ich überlegen, wie ich den Einteiler Plan hobeln kann. Mein Dickenhobel ist nur für eine Breite von maximal 21, 0 cm ausgelegt. Darum entschied ich mich für den Bau eines Jigs für die Planfräsung mittels Oberfräse. Dessen Baubericht ist ebenfalls hier auf meiner Website im Bereich „Gitarrenbau Jigs, Werkzeuge und Möbel im Eigenbau“ eingestellt.

Nach dem Jig-Bau, fräßte ich die Oberflächen plan, zeichnete mit Hilfe des Schablonensatzes für 53èr Telecaster von meinem Gitarrenbau Kollegen Christian Bou ( Guitarbou.de) die Konturen , und sägte den Korpus mit meiner kleinen Bandsäge aus. Es folgte das Bündigfräsen des Korpuses, und das Einfräsen aller Pickup -Taschen und Fächer, inclusive der Halstasche. Weiter ging es mit der Gestaltung des Bellycut ( Bierbauchmulde ) und des Armrest ( Armauflage ).

Ich habe mir dafür ein neues Werkzeug zugelegt, weil ich nicht mit Raspeln und Feilen arbeiten wollte. Darum bestellte ich mir eine spezielle „Schnitzscheibe“, mit der man diese Arbeiten in wenigen Minuten abschließen kann. Aber Vorsicht! Es ist von absoluter Wichtigkeit, an Probestücken einige Versuche zu machen. Sonst ist die ganze bisherige gelungene Arbeit unwiederbringlich im „Gitarrenbau – Nirvana“ gelandet. Besonders sollte man vor dem Arbeiten am Masterpiece herausfinden, welchen Winkel und welchen Druck man auf das Werkstück aufbringen muß. Auch der Arbeitsschutz ist zwingend zu beachten! Ein Winkelschleifer mit solch einer Schnitzscheibe, kann leicht im Unterleib böse Verletzungen erzeugen! Darum Werkstück einspannen und nicht lose dabei auf der Werkbank liegen lassen! Mit Schleifmaus wurde dann der Feinschliff gemacht. Gesamtdauer für Bellycut und Armrest ca. 20 Minuten.

Danach habe ich die Kanäle für die Elektronik gebohrt und den Hals eingepasst. Dieser wurde dieses Mal nicht selbst hergestellt, sondern ist ein „Altbestand“ den ich bei einer Ebay – Auktion günstig erstanden habe. Er ist hochwertig verarbeitet, und passt perfekt zu den von mir gewünschten zu erzielenden Gesamtbild. Der Hals wurde mittels „Bolt on Neck“- Schrauben und Hülsen verschraubt. Die Hülsen habe ich nach dem Vorbohren der Löcher, mittels einer kurzer Gewindestange an die zwei Kontermuttern geschraubt wurden, in die Ständerbohrmaschine eingespannt. Mittels drehen der Bohrspindel mit der Hand habe ich diese angefädelten Hülsen vorsichtig eingeschraubt. Dabei ist absolute Sorgfalt, Ruhe und Genauigkeit gefragt, da es sonst zu Ausrissen und Abbrüchen am Halsfuß kommen kann.

Am Hals selbst musste ich nur minimal nachbessern. Lediglich die Bundenden und die Sattelkerben mußten nachgefeilt werden. Der lackierte Hals ist absolut smooth, und hat ein absolut herrliches Spielgefühl.

Kommen wir nun zur finalen Gestaltung des Korpus.

Ich hatte von meinem Gitarrenbau – Kollegen Daniel Popp ( Daniel Popp Gitarrenwerkstatt ) ein angebotenes Gebinde Solarez „ I can`t belive! It`s no Laquer !“ UV härtetendes Poliresin ( Epoxygemisch) geholt. Darauf bin ich gestoßen, als Chris von Highline Guitars, dieses Solarez und seine Verarbeitung ,an seinen eigenen Gitarrenmodellen vorführte. Genau wie nach den üblichen Vorgehensweisen bei der Vorbereitung aufs Lackieren, habe ich danach mit einem Kosmetikschwämmchen eine geringe Menge des Solarez aufgestrichen. Mit Rakel oder wie ich, mit alter Kreditkarte, habe ich dann schräg zur Maserung das aufgebrachte Solarez in die Poren eingearbeitet und die Reste abgezogen. Zu Beachten ist, das Solarez nur unter Kunstlicht aufzubringen ist! Sobald auch nur etwas Sonnenlicht während der Verarbeitung ran kommt, fängt es sofort an auszuhärten!! Nach fertiger Behandlung mit Solarez als Porenfüller, habe ich den Korpus in die Sonne gestellt und mehrfach gedreht. Innerhalb von 3 Minuten härtet das Solarez aus. Mit 600èr Schleifpapier wurde trocken angeschliffen und gereinigt. Dann kam mittels Kunsthaar – Pinsel ( nur Diesen verwenden!!!), eine satte Schicht Solarez auf die Oberseite und die Seiten. Mit dem Kosmetikschwamm wurde während einer Verlaufzeit von 90 Minuten unter Kunstlicht in der Werkstatt, einzelne wenige auftretende Nasen weggestrichen/ getupft. Nach den 90 Minuten wurde der Korpus auf seinem Gestell in die Sonne gestellt. Ich habe ihn etwas länger ( ca. 30 Minuten ) mit mehrfachem Drehen draußen stehen lassen. Dann folgte die Unterseite mit selbiger Prozedur. Einige leichte Fehlerstellen wurden einen Tag später einzeln behandelt, und der gesamte Korpus mit 1000 èr, 1200èr und 2000`er Schleifpapier geschliffen. Nach der Reinigung folgte dann eine Woche später die Politur. Mit Poliermaschine und meinen beiden bewährten „Nigrin“- Mitteln : „Politur für verwitterte Lacke „ und „ Hartwachspolitur“, sowie Lammfellaufsätzen erfolgte die Endpolitur.

Es zeigt sich nun eine absolut geniale Maserung. Besonders die Partien um das Horn und am oberen Bogen, die nun etwas eine orange Marmorierung haben.

Fazit: Solarez funktioniert sehr gut als Porenfüller, als Endversiegelung über Beizen, als Endversiegelung über naturbelassenen Hölzern und wegen seiner Eigenschaften wie schnell härtend unter Sonnenlicht und UV – Lampe, sowie geruchlos auch in Wohnungen zu verarbeiten, wenn man keine Werkstatt oder Spritzkabine hat. Es ist sehr ergiebig. Aber auch hier gilt : Probestücke anfertigen und die Verarbeitungstechnik perfektionieren.

Leider ist Solarez „ I can`t believe! It`s no Laquer“ selten über Amazon oder Ebay erhältlich. Es gibt noch keinen Lizenzvertrieb in Deutschland. Daher muss bei Bestellung in USA beim Hersteller, mindestens zwei Gebinde mit je 750ml bestellt werden, dass es sich mit Versand etc. auch lohnt. ( ca. 48 Euro pro Gebinde , welches locker für 3 komplette Korpusse reicht )

Nach dem Zusammenbau passen nun Optik , Haptik und Klang perfekt zusammen.

Viele Grüße

M. Veits

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1 Comment

  1. Hallo Micha,
    da hast Du aber ein echtes Schmuckstück hingelegt.
    Deine Holzauswahl lässt Liebhabern das Herz höher schlagen.
    Das Black Korina sieht einfach nur traumhaft schön aus.
    Und ein Hals in AA-Riegelahorn sitzt auch nicht gerade auf einer Billig-Gitarre.

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