MLP – Christian Pico-Sanchez

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Hallo Matthias!

Hier nun die erste Les Paul für den diesjährigen Wettbewerb.

Ursprünglich war eine schwarze Les Paul geplant, es sollten allerdings 3 Pickups mit 3. Volumenregler sein…

Wenig spektakulär war das Resultat, dabei auch die Überlegung ob schwarze Open-Coil-Pickups oder Pickups mit verchromten Kappen…

Klassisch schön aber unauffällig. Darum wurde daraus eine Goldtop!

Es gibt offiziell keine Serie von Goldtops mit 3 Pickups, zudem passen hier verchromte Hardware und Creme-farbene Teile sehr gut-Vintage-Vibe pur!

Zum Korpus: Diesmal bekam ich einen Korpus, der neben dem Mahagoni als Basis auch noch eine aufgeleimt Mahagoni-Decke hatte, worauf dann letztendlich die Ahornfurnier aufgeleimt war. Also: vom Korpus her eher die erste Originale Les Paul Custom, die ja bekanntlich mit aufgeleimter Mahagoni-Decke war.

Der Sound sollte sich laut meinen Erfahrungen im Vergleich zur „klassischen“ Les Paul Standard soweit ändern, dass die Gitarre nun sonorer und auch „ruhiger“ sein wird. Dies trifft auch zu: Die Ansprache ist ein wenig verhaltener und runder, der Charakter der Gitarre ist durch die tieferen Gesamtanteile des Grundsounds „schnurrender“ und weicher. Hört sich sehr gut an!

Als Tonabnehmer stand ich vor einer schwierigen Entscheidung: Gibson 490er mit Alnico-5-Magneten, Di Marzio Super Distortion aus den späten 70ern oder Gibson Dirty Fingers, nichts Altes, hier die neuen Re-Issues.

Zu High-Output-Pickups wie den Di Marzio Super Distortion oder Gibson Dirty Fingers:

Es handelt sich dabei meist um überwickelte Tonabnehmer mit Keramik-Magneten – Di Marzio mit einem (1) Magnet, Gibson Dirty Fingers mit drei (3) pro Tonabnehmer. Der Unterschied liegt in der Wicklungsanzahl und Drahtstärke. Die Impedanzen sind hier auf einem soundprägend ähnlichen Niveau: Di Marzio Super Distortion mit 13 kOhm und Gibson Dirty Fingers mit 16 kOhm.

Es wird oft angenommen, dass diese Pickups nur für härtere Rockarten geeignet sind, dies ist allerdings nur bedingt richtig: Wenn die Pickups mit anderen Fabrikaten kombiniert werden und der Abstand zu den Saiten so eingestellt wird, dass die Lautstärkenunterschiede aufgehoben werden, hat man dann Pickups, die, im Bezug auf Dynamik und Klarheit über das Volume-Poti sehr gut kontrolliert werden können.

Keramik-Magnete sind ja bekannt für ihren helleren klareren, oft steril bezeichneten Sound-Charakter, das hebt sich bei den „heißen“ Pickups auf.

Der „Matsch“, der oft bemängelt wird, entsteht bei zu hohen Gain-Settings am Amp – ich spiele meine Les Pauls mit heißen Pickups über einen cleanen Marshall, der nur leichte Vorstufenübersteuerung bekommt. Hier sei auf das Solo von Dire Straits bei „Brothers in Arms“ verwiesen…

Ich arbeite oft mit verschiedenem Magnet-Material, vorzugsweise verwende ich hierfür Gibson 490er, weil sie sehr ausgewogen sind.

Versuchsweise stattete ich einen Gibson 490er mit Alnico-8-Magneten aus (Steg-Position). Der Alnico-8-Magnet hat einen ähnlich hohen Output wie Keramik-Magnete, allerdings klingt er wärmer. Macht sich sehr gut mit verchromten Kappen darüber, weil hier noch etwas von den oberen Frequenzen abgerundet wird.

Nachdem alle Pickups und Magnet-Kombinationen durchlaufen waren, stand das Endergebnis fest:

Gibson Dirty Fingers am Steg, Gibson 490er mit Alnico-8 in der Mitte und Gibson 490er mit Alnico-5 am Hals.

So ergab sich eine sehr laute, aber durchwegs angenehm klingende Gitarre.

Allerdings bekam ich zu dieser Zeit (April 2014) einen alten (1978) Di Marzio „Al Di Meola“-Signature-Neck-Pickup (DP 201), sowie ein Set alter (ebenfalls 1978) Di Marzio „Rick Derringer“-Signature-Pickups (DP 203 und DP 204). Bei diesen Pickups handelt es sich um die ERSTEN Custom-Shop-Pickups von Di Marzio.

Bei diesen speziellen Signature-Pickups handelt es sich um Weiterentwicklungen des ersten Di Marzio-PAF, die allerdings viel Output vom Super Distortion mitbekommen haben und auf die Wünsche dieser begnadeten Gitarristen abgestimmt wurden.

Man kann sie bis heute bekommen, allerdings werden sie nur auf Bestellung bei Di Marzio gefertigt.

Di Marzio hat sie auf der Website erwähnt, aber schon lange nicht mehr im Programm.

Das hat nicht etwa mit der Qualität oder Beliebtheit dieser Pickups zu tun, sondern ist damit zu begründen, dass Al Di Meola während seiner Zeit als Endorser auch andere Fabrikate benutzte oder die Rick Derringer-Pickups eigentlich, und damals ausschließlich, für die erste B.C.Rich-Gitarre, die „Stealth“ gebaut wurden.

In jedem Fall traumhafte Pickups!

Zurück zur angenehm klingenden Les Paul:

Natürlich musste der Al Di Meola-Signature-Pickup in meine alte No-Burst-Les Paul (die von 2011, mit der Spielkarte am Headstock)! Dadurch, um authentisch mit Al Di Meola’s 1978er-Sound zu sein, musste ein Di Marzio Super Distortion (wie erwähnt ebenfalls 1978) in die Steg-Position.

Somit war plötzlich ein Set GFS EVH-Pickups mit vernickelten Kappen verfügbar…

Seit Jahren schwöre ich auf diese „heißeren“ PAF-Typen, die zwischen Standard und High-Output liegen (9kOhm). Also – rein in die Goldtop!

Der Neck-Pickup wurde der GFS ohne Änderung, der Steg-Pickup wurde der 2. GFS mit Alnico-8-Magnet und in der Mitte befand sich plötzlich ein Standard-Pickup von ML-Factory, ebenfalls mit verchromter Kappe.

Zu den ML-Factory-Pickups mit den Kappen: Diese Pickups klingen eigentlich sehr gut und es gibt sie in unterschiedlichen Varianten.

Die Unterschiede werden durch die Farbe des Anschlusskabels gekennzeichnet:

  • Weiss: 7 kOhm
  • Gelb: 9 kOhm
  • Rot: 11 kOhm
  • Schwarz: 13 kOhm.

Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man sich sehr gut an seine Soundvorstellungen heran tasten.

In meinem Fall kam ein Pickup mit rotem Anschlusskabel (11 kOhm) in die Mittelposition, da er einerseits durch seine neue Position (Mitte statt Steg) leiser wird, andrerseits laut genug ist, um ihn weiter weg von den Saiten zu positionieren, damit er beim Spielen nicht im Weg ist.

Der Keramik-Magnet blieb um Akzente im Sound zu setzen.

Zur Schaltung der Gitarre:

Jeder Pickup hat ein Volume-Poti, der Mittelpickup bekam seines durch das Aufheben des Tone-Potis vom Steg-Pickup.

Diese Position wird nur bewusst geregelt und nicht versehentlich, außerdem muss bei mir der Hals-Pickup ein Tone-Poti haben…

Zu den Tücken dieser Schaltung:

Wenn man die Pickups „normal“ an die Potis anschließt, dreht man mit der Lautstärken-Erhöhung des Mittel-Pickup die anderen ab…

Somit wird es notwendig die Pickups an den mittleren Anschluss des Potis zu löten und den Ausgang dort, wo sonst der Pickup angeschlossen wird.

Was bringt jetzt diese von der Original-Gibson-Schaltung abweichende Schaltung mit 3 Pickups?

Wenn das Volume-Poti des Mittel-Pickups abgedreht ist, reagiert die Gitarre wie man es von einer Les Paul erwartet.

Wenn das Volume-Poti des Mittel-Pickups aufgedreht wird, hat man in allen Schalter-Stellungen einen Telecaster-artigen Sound.

Kombinationen: Neck + Middle, Neck+Middle+Bridge, Bridge+Middle.

Wenn man die Volume-Potis von Steg- und Hals-Pickup abdreht (geht mit einem „Wischer“ bei gestreckten kleinen Finger), hat man nur den Mittel-Pickup. Dieser hat aufgrund seiner Position plötzlich mehr Transparenz und klingt solo betrieben unglaublich gut.

Zum Rest der Gitarre:

Natürlich schaffe ich es nicht meine Gitarren ohne Relic-Spuren zu lassen. Hier nur dezent durch Anlösen des Nitro-Kombi-Lacks und Verreiben mit einem Tuch.

Dadurch ergibt sich dieser grünliche Charakter alter Goldtops, die im Laufe der Zeit durch Lackabrieb und gleichzeitiger Oxidation der Bronze-Partikel im Gold-Lack entstehen.

Die Kunststoff-Teile wurden wieder mit UV-Licht gealtert, die Messing-Schalterplatte ist aus den späten 70er von Di Marzio.

Witchhead-Potiknöpfe von der SG-Custom mit Pointer-Washers darunter runden das Bild ab.

Aja: die Rückseite ist schwarz; Der Headstock ebenso, klassischer Open-Book-Look.

Hoffe es war wieder lehrreich und die Les Paul gefällt Euch!

Christian Pico-Sanchez

0660 / 974 27 84

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