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Jag-Style – Florian Bürgi

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Hallo Matthias, Hallo Gitarrenliebhaber/innen,

Anbei sende ich euch die Bilder (Anhang) und ein Youtube-Link meiner Gitarre, welche ich Anfangs 2014 aus einem ML Factory Bausatz gefertigt habe. Der Effekt kommt von blossem Auge besser rüber als mit einer schwachen Kamera im dunkeln gefilmt:

  • Name: Flow Rian Jagmaster HSH Custom Dragonskin
  • Korpus: Linde (Basswood)
  • Hals: Ahorn (Maple)
  • Fretboard: Palisander (Rosewood)
  • Lack: Fluorgrün, Glitter, Phosphor, Klarlack, Finish
  • Merkmale: fluoreszierend und phosophorierend
  • Tonabnehmer: Humbucker, Singlecoil, Humbucker von EMG HZ
  • Sonstiges: Ufo Potiknöpfe, Neonsaiten
  • 1. Inverkehrssetzung: 9. Mai 2014

Kurz zur Namensgebung der Gitarre. Die Gitarre weist optische Merkmale einer Jaguar auf und zugleich sind die diversen Schalter sowie der 5-Way Switch eher optische Merkmale einer Jazzmaster. Daher Jagmaster. HSH Custom versteht sich vermutlich von selbst 😉 Dies war übrigens einer der Entscheidungsgründe für dieses Modell, da es mit HSH statt HH zu haben war.

Angefangen habe ich mit der Kopfplatte, welche ich anhand einer Fender Vintage Kopfplatte nachgezeichnet und dann bis auf die Markierungen runtergeschliffen habe. Die Bodyshape wurde nachgeschliffen und somit stärker betont, der restliche Body wurde ebenfalls etwas angeschliffen. Nachdem das Fretboard sehr gut gesäubert und abgedeckt war, fing ich mit der Grundierung des Bodys und der Kopfplatte an. Als diese trocken war, ging ich mit Fluor/Neongrün drüber. Anfangs wollte ich einfach nur ein saftiges, knalliges grün verwenden, da dies einen guten Kontrast zum Pickguard gab.

Sicherlich spielten beim Lackieren die doch recht kühle Witterung draussen und relativ knapp bemessene Trocknungszeiten eine wesentliche Rolle, denn unter diesen Bedingungen war es relativ schwierig die fluoreszierenden Farben gleichmässig aufzutragen, selbst wenn man viele dünne Schichten auftrug. Abgesehen von den idealen Flächen hat man teils nur einen sanften Schimmer oder es ist deckend und aus fluoreszierend wird dann schnell nahezu „dunkel“grün/blau/gelb/pink/wasweissdergeier.

Um eine Textur zu erhalten, benutzte ich ein altes, aber sauberes Küchentuch mit einem gekachelten Relief und begann die weiteren Schichten des grüns „gezielt chaotisch“ abzutupfen. Ich erhielt zwar eine gewünschte Textur, aber sie war noch etwas zu unscheinbar. Also gab ich eine erneute weisse Grundierung drauf und gleich darauf einige Schichten grün, um dies dann wieder gezielt chaotisch abzutupfen, so dass sich eine gleichmässig ungleichmässige, weisse Textur im grün ergab.

Mehr und mehr drängte sich der Begriff Dragonskin schon beinahe auf, aber was würde eine echte Drachenhaut gegenüber einer sonstigen Reptiliennhaut ausmachen? Zu weiteren Schichten grün wurde nun eine richtig dicke Schicht grüner Glitter aufgetragen, wobei die Rückseite des Bodys die dickere und regelmässigere Schicht bekam, da bei der Vorderseite hauptsächlich die Musterung der Mischtechnik im Vordergrund stand.

Die einzelnen Schichten wurden immer wieder zwischengeschliffen, wodurch der grüne Glitter teils silbrig wurde und kleine Grübchen zurückblieben. Nun wurde der gesamte Body mit einem simplen, mit pulverisiertem Phosphor angereicherten Klarlack überzogen, wodurch sich besonders die Unebenheiten nivellierten. Dies ist zwar einfacher gesagt als getan .

Diese Schritte mehrmals in einer Art Mischtechnik zu wiederholen um einen wirklich ganzheitlichen Effekt zu erzielen, war ganz schön zermürbend 😉 Schliesslich wusste man im vornherein nie, wie viele Teilchen der einzelnen Schichten bei den Schleifgängen jeweils wieder wegkamen, so dass es ein ständiges Zirkeln und Balancieren war, ungefähr abzuschätzen was im Anschluss dabei rauskam. Wobei ein paar Mal effektiv zuviel weg kam und mir wieder blankes Holz entgegenblickte.

Worauf ich sagen muss, das sie keine einfache war. Sie war ganz schön widerwillig und schwierig zu bändigen. Besonders an einer Stelle schien sie förmlich keine Lust gehabt zu haben Farbe anzunehmen, obwohl’s letztendlich dann doch geklappt hat. Später wurde der Body sowie die Kopfplatte mit einem extrem Wetter- und Kratzresistenten Finish Klarlack überzogen, um die ganzen Schichten abzuschliessen.

Danach wurde der Body, die Kopfplatte sowie das Neck stufenweise mit unterschiedlich feinen Nassschleifpapieren geschliffen, bis das Teil glatt war. Nun ging es nach etlichen Lackschichten und Schleifgängen und Polituren endlich an’s Zusammenschrauben. Eigentlich passte alles ganz gut bis auf einige Dinge.

Leider waren die Aussparungen für die Tonabnehmer im mitgelieferten Pickguard um einen halben Zentimeter verschoben, so das trotz korrekter Platzierung des Pickguards, die Tonabnehmer im Verhältnis zu den Saiten etwas nach unten versetzt sind. Dies war nach all den Mühen und Strapazen etwas enttäuschend, nicht zuletzt da ich mich für die bessere Variante der Tonabnehmer entschieden hatte und die ganze Elektronik im innern nochmals neu verlötet habe.

Obwohl ich dies zuvor bei anderen Gitarren schon oft gemacht habe war es leider ziemlich mühselig die Bridge sauber einzustellen, vielleicht aufgrund der Materialveränderung musste ich bei zwei Saiten ziemlich an’s Limit des überhaupt Einstellbaren gehen, um eine saubere Oktavenreinheit auf jeder Saite zu erlangen. Funzte aber dennoch ganz passabel, hingegen der Tremolobügel berührt andauernd die 1. Saite und bearbeitet diese somit bei jeder Benutzung mit, was natürlich etwas auf Kosten der Saite geht.

Alles in allem bin ich aber doch sehr zufrieden mit dem Resultat. Das Ganze habe ich ergänzt mit alternativen, Ufomässigen Potiknöpfen, als den mitgelieferten verchromten, zusätzlich wurden Security Locks montiert und nach den Testsaiten, Neonsaiten aufgezogen. Saitenniederhalter musste ich separat welche besorgen, da im Lieferumfang keine zu finden waren. Dazu ein passendes Tweed Schulterband plus Schriftzug.

Kann es aber trotz allem wirklich nur weiterempfehlen die Erfahrung zu machen, ein Instrument zusammenzubauen, egal ob als Gitarrengreenhorn oder als Gitarrenprofi und alles was dazwischen liegt. Hat trotz einigen Rückschlägen und Frustrationen im Endeffekt grossen Spass gemacht. Ich vermute mal so geht’s den meisten guitar builder rookies 🙂

Peace und so

Florian Bürgi

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