Explo Style – Karl Huber

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Explorer
Die Explorer erblickte 1958(!) zusammen mit der „Flying V“ und einer sogenannten „Moderne“ das Licht der Welt, letztere kam nie zur Serienreife. Die Gitarren waren allen Ernstes für vermeintlich „progressive“ Jazzer gedacht, was natürlich kommerziell in die Hose ging. Erst in den späten 70ern fand die Form bei der Hard’n‘Heavy Fraktion gefallen und wurde ein Erfolg.

Der Bausatz
Alle Holzteile sind Mahagoni, der Hals kommt mit Dot Inlays und wird wie beim Original eingeleimt, die Proportionen stimmen, die Kopfplatte passt, es handelt sich also um eine ziemlich exakte Kopie. Nur der Halsfuß ist etwas anders gestaltet, beim Original schließt er bündig mit der Korpus-Unterseite ab, beim Bausatz ist er etwas weniger dick als der Korpus. Der Korpus ist wie beim Original mehrteilig, in meinem Fall waren es drei Teile. Der Hals ist beim Original aus einem Stück, nur die Kopfplatte wird bei Gibson wegen der extremen Form gestückelt. Beim Bausatz ist der Hals dreiteilig (Fuß, Hals, angeschäftete Kopfplatte). Dafür war meine Kopfplatte einteilig. Soweit, so gut.

Meine Variante
Nach dem ersten Zusammensetzten musste ich feststellen, dass die Bundierung wahrscheinlich beim Abrichten beschädigt wurde, das Griffbrett hatte rechts eine ziemliche Kurve. ML hat mir einen neuen Hals zugeschickt, der sogar einigermaßen in die Halstasche passte. Einigermaßen – die Halstasche war dann doch etwas zu groß, ich musste mit Furnier hier und dort unterfüttern. Schön ist das nicht, aber letztendlich passte alles.
Ich hatte noch Toni Iommi Signature Pickups von Gibson in der Schublade, die wollte ich verbauen. Da die Tonabnehmer keine Polschrauben haben, schauen sie ein wenig aus wie die Minhumbucker einer Firebird. Das brachte mich auf die Idee, die Explorer wie eine typische Firebird schwarz-braun zu lackieren.
Also ran an die Arbeit – Wie immer schleifen, Wasserbeize (Mahagoni dunkel), danach Porenfüller (http://aquacoat.com/products/clear-grain-filler), Nitro-Schnellschleifgrund, schleifen. Danach den Burst-Rand lackieren, den ich mittels Papp-Schablone (siehe Bild) doch recht sauber hinbekommen habe. Darüber ein paar Lagen Klarlack, und zwar soviel, dass später der schwarze Lack-Übergang auf keinen Fall angeschliffen wird. Ich habe zusätzlich getönten Klarlack verwendet, damit das Mahagoni schön dunkel wird. Alle Lacke waren Nitrolacke aus der Dose, nur der Schnellschleifgrund wurde gepinselt.
Nach ein paar Wochen Trockenzeit wurde geschliffen und poliert, fertig ist die glänzende, feste und pflegeleichte Oberfläche. Nitro Lack fällt immer etwas in die Poren, d.h. er wird nie ganz glatt, was aber meiner Meinung nach viel besser aussieht als glasiger Acryllack, kleine Kratzer stören da nicht so sehr, zudem altern Nitro-Lacke schöner als moderne 2-K Lacke.

Hardware
Zu den relativ teuren Tonabnehmern gehört gute Hardware. Ich entschied mich für ein Schaller „Les Paul Trem“, normalerweise ein Replacement-Teil für die Brücken-Stoptail Kombi einer Paula oder SG. Die Brücke kann man auch prima auf neuen Gitarren verbauen, das Teil sitzt bombenfest und tremoliert wunderbar. Leider nicht ganz einfach einzubauen, man muß die Löcher sehr genau bohren (null Spiel!), dazu ist die Brücke ist etwas höher als eine übliche Tun-O-Matic Brücke, ich musste am Korpus etwas unterfräsen, damit die Saitenlage passt. Locking Tuner von Kluson, ein Knochensattel, CTS Potis, ein ordentlicher Schalter sowie eine stabile, eingeschraubte Buchse vervollständigten das Ganze. Schaltung analog Original, auf die Splitfunktion der Iommi Pickups habe ich verzichtet.

Sound und Bespielbarkeit
Die Gitarre klingt m.E. besser als die Epiphone-SG, in der die Iommis ursprünglich verbaut waren. Mag daran liegen, dass der Korpus der Explorer um einiges massiger ist als der einer SG. Die Gitarre ist deshalb kein Leichtgewicht (4.2kg), sie ist aber sehr gut ausbalanciert und auch sitzend bequem zu bedienen. Saitenlage, Halsform, Breite und Bundierung passen bestens, eine schöne Gitarre, natürlich speziell für härtere Sachen. Die Iommis klingen aber auch zurückgedreht recht gut, am Hals warm, an der Brücke schön „crisp“, beide zusammen kommen gut mit etwas Chorus. Außerdem sind sie komplett in Kunstharz eingegossen, da pfeift und brummt nichts. Die Pickups sind passiv, die Batterie bleibt in der Taschenlampe. Meiner Meinung sind diese Tonabnehmer eine gute Alternative zu EMGs.
Als Demo hab ich ein Stück von King Crimson zusammengebastelt, und zwar „21 Century Schizoid Man“. Das Original ist von 1969, was für ein herrlicher Krach! Die Explorer spielt die Riffs, die schnellen Single Note Licks und das Solo. Die später hinzukommenden Feedback Sounds sowie die Talk-Box im Intro kommen von einer Fernandes mit Sustainer.
https://www.dropbox.com/s/nrum3tqqlhy3sg7/21st%20Century%20Schizoid%20Man.mp3?dl=0

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3 Antworten auf Explo Style – Karl Huber

  • Hallo Karl,
    herzlichen Glückwunsch zur Preisverleihung!
    Eigentlich hättest Du noch für Deine vielen professionellen Kommentare bei anderen Kandidaten einen Sonderpreis verdient.
    Ich frage mich manchmal in Anbetracht von so viel Fachwissen, ob Du nicht allein dafür hier in diesem Gremium den Titel h. c. verliehen bekommen solltest.
    So jetzt mal genug, sonst denkst Du vielleicht noch, ich möchte mich für mein nächstes Projekt bei Dir einschleimen.
    Ist aber nicht mein Stil, ich finde: Ehre wem Ehre gebührt.

  • Hallo Karl!

    Schön geworden, die Explorer mit dem Firebird-Burst…

    Mit Les Trem ist es ein neues Erscheinungsbild, kenne sonst so ziemlich alles was aus einer Explorer wurde. Habe das erste Les Trem von Schaller selbst auf einer 3-Pickup-Standard-Les Paul. Pickup-Wahl passt gut zum Mahagoni-Korpus, gut durchdacht und gelungen!

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